Das ganze Land wurde unter dem Adelsstand verteilt und im 13. Jahrhundert wurde die Leibeigenschaft immer progressiver eingeführt.

Im frühen 19. Jahrhundert wurden die estnischen Bauern endgültig von der Leibeigenschaft befreit. Die estnische Landschaft ist immer noch angefüllt mit über 1200 Herrenhäusern, die meisten davon deutsch, erbaut im unverkennbaren klassischen Stil mit hohen Säulen und Giebeldächern.

Der deutsche Adel herrschte in Estland vom 13. Jahrhundert bis zum frühen 20. Jahrhundert. Nach dem Ersten Weltkrieg und als die Unabhängigkeit Estlands eingeführt wurde, wurden ihre Privilegien abgeschafft und die Klassengesellschaft abgebaut. Ihr Vermögen wurde verstaatlicht und dem estnischen Volk zurückgegeben.

1343 war der Aufstand in der Georgsnacht (auf Estnisch Jüriöö ülestõus)eines der bemerkenswerten historischen Ereignisse, als die Esten den Verzicht auf das Christentum erklärten und jeden mit deutscher Abstammung umbrachten (in den Chroniken wird die Gesamtzahl der Opfer mit 1800 angegeben).

Die deutsche Führungsschicht in Estland genoss innerhalb des russischen Imperiums besondere Rechte; für sie galten gesonderte Gesetzessammlungen. In Tallinn war der Domberg historisch von der restlichen Stadt abgegrenzt, denn er wurde eher von den Rittern beherrscht als vom Bürgermeister, der die restliche Stadt verwaltete.

Interessante Tatsachen:

Carl Herman Hesse, der Großvater des berühmten Schriftstellers Herman Hesse, wurde in Tartu geboren und wohnte in Paide.

Barclay de Tolly, der Oberbefehlshaber der russischen Truppen im Kampf gegen Napoleon, wurde in Livland (heutzutage der südliche Teil Estlands) geboren und großgezogen und ist zusammen mit seiner Ehefrau im Familienmausoleum in Jõgeveste, Helme bestattet. Es ist für alle geöffnet.