Die estnische Küste hat viele Kämpfe gesehen. Im Verlaufe der Jahrhunderte sind unzählige Schiffe untergegangen, die Wracks liegen nun auf dem Meeresboden.

Beliebte Attraktionen der maritimen Geschichte

Das Dorf Käsmu ist wegen seiner schönen Natur und des Kapteniküla (Kapitänsdorf) unter den Esten legendär. Es gibt dort auch ein interessantes Privatmuseum mit einer Sammlung über die Geschichte der estnischen Seemannschaft.

Das Museumsschiff „Suur Tõll” ist ein 1914 in Polen gebauter Dampf-Eisbrecher, der als der fortgeschrittenste Eisbrecher jener Zeit gilt. Es ist ebenso der größte immer noch existierende Dampf-Eisbrecher der Welt und das einzige überlebende Dampfschiff aus der Vorkriegszeit auf der Ostsee. „Suur Tõll“ ist für Besucher in Lennusadam, Tallinn geöffnet.

Tatsachen der maritimen Geschichte Estlands

  • Die Wikinger in Estland (die auf der Insel Saaremaa wohnten) wurden Öselianer genannt. Zum ersten Mal wurden sie im 2. Jh. v.C. in Ptolemäus’ Geographie erwähnt. Ihre Segelschiffe wurden vom Livländischem Heinrich in seiner lateinischen Chronik vom Anfang des 13. Jahrhunderts als Piratenschiffe bezeichnet. Der berühmteste Überfall der estnischen Piraten fand 1187 durch einen Angriff auf die schwedische Stadt Sigtuna der finnischen Angreifer aus Kurland und Estland statt. Eines der Todesopfer dieser Offensive war der schwedische Erzbischof Johannes.
  • Im Herbst 2008 wurde auf der Insel Saaremaa ein Schiff in Klinkerbauweise mit den sterblichen Überresten von sieben Menschen gefunden. Es ist über 1100 Jahre alt.
  • Historisch waren fast alle Küstensiedlungen Estlands Fischerdörfer.
  • Viele der ehemaligen Fischerdörfer, in denen der Besitz von Booten und der Fischfang während der sowjetischen Okkupation verboten waren, wurden Feriendörfer; diese umfassen Altja, Vainupea, Karepa, Toolse, Kalvi, Aa, Toila, Oru und Voka.
  • Jaala ist ein traditionelles zweimastiges Segelschiff der estnischen Schweden, die von der kleinen Insel Ruhnu stammen. Es war 1860 – 1920 in Gebrauch und ist ein schönes Küstenschiff mit hohem Bug und graziöser Figur. Seine durchschnittliche Länge betrug etwa 10 Meter und seine Breite etwa 3 Meter. 
  • Die Peipus-Barge bzw. auf Estnisch „lodi“ ist ein einzigartiger einmastiger Segler, angepasst für Transporte auf dem Peipussee und dessen Flüssen. Laut Angaben der Historiker wurde lodi für den Hansehandel auf dem Fluss Emajõgi bereits im 14. Jahrhundert verwendet. Nach Angaben des Estnischen Meeresmuseums ist die Peipus-Barge eines der größten Flussschiffe mit Klinkerbeplankung in der Welt.
  • Das finnisch-ugrische Einbaumboot bzw. „haabjas” ist wahrscheinlich der älteste Bootstyp der Welt und der Vorgänger des modernen Plankenboots. Haabjas wurden in der Steinzeit als Fischerei- und Transportschiffe genutzt. Wie der Volksmund sagt, durfte man den ausgewählten Baum nur bei Nordwind und abnehmendem Mond fällen, der Baum musste ebenfalls gegen die Windrichtung fallen. Es wurde geglaubt, dass dies das Boot vor Verderben schützt. Es wurde ebenso geglaubt, dass es ein schnelles Einbaumboot wird, wenn der Baum weit weg vom Baumstumpf fällt.
  • Enn Uuetoa, oft als „Kihnu Jõnn“ bekannt, war der erste Este, der als Kapitän über die Ozeane segelte. Kihnu Jõnn ist auf der Insel Kihnu, in der Nähe des Haupteingangs des Friedhofs bestattet. Seine Überreste wurden 1992 aus Dänemark auf die Insel gebracht.
  • Entlang der Küste gibt es viele alte Schiffswracks zum Erforschen. Infolge der einzigartigen geographischen Lage und Geschichte wird geschätzt, dass etwa 40.000 kleinere und größere Schiffe in den Gewässern Estlands untergegangen sind.
  • Das Russalka-Denkmal ist eine Gedenkstätte in Erinnerung an den Untergang des russischen Kriegsschiffes Russalka. Das Denkmal stellt einen Engel dar, der das Kreuz in der vermutlichen Richtung des Schiffsunglücks hochhält. Während der Sowjetmacht wurde das Kreuz beseitigt und der Engel zeigte nur mit seiner Hand in Richtung See. Das Wrack von Rusalka blieb für 110 Jahre verschollen, bis es im Juli 2003 im Finnischen Meerbusen 25 Kilometer südlich von Helsinki wiederentdeckt wurde.
  • 2000 führte eine Gruppe von Esten die estnische Flagge auf einer Jacht namens „Lennuk“ um die Welt.