Aus dem animistischen Zeitalter haben die Esten eine große Sammlung von unverwechselbar strukturierten Runenliedern geerbt. Das Erbe Estlands ist größtenteils durch alte Volkslieder und Legenden überliefert worden, die von einer Generation zur nächsten „weitergesungen“ wurden (anstelle weitergereicht zu werden).

Diese wurden erst in der ersten Periode der Unabhängigkeit Estlands (1918 – 1939) niedergeschrieben. Die spätere Periode zwischen den zwei Weltkriegen war für die Erhaltung und Popularisierung der estnischen Folklore von entscheidender Bedeutung. In jener Zeit wurden alle Legenden, Lieder und Glauben sorgfältig gesammelt und untersucht, um ihre Bedeutung besser zu verstehen.

Diese Lieder decken den gesamten Lebenszyklus ab, von der Geburt bis zur Ehe, den Tod und das Leben nach dem Tod. Sie wurden ebenso als Begleitung der täglichen Arbeit eingesetzt.

Neue nationale Komponisten und Schriftsteller haben ihr Werk auf Grundlage dieser Erkenntnisse geschaffen, unter anderem Eevald Aav, Eugen und Villem Kapp, die Opern über Nationalhelden komponierten. Eduard Tubin schrieb das Ballett „Kratt” und verschiedene Sinfonien.

Chöre wurden ein entscheidender Teil bei der kulturellen Interaktion der Gemeinschaften und estnische Chormusik ist sehr eigenartig bezüglich der Weise, wie Harmonie und nationale Texte eingesetzt werden. Lieder spielen bis heute eine wesentliche Rolle und das estnische Sängerfest ist der beste Platz, um diese Chormusik mitzuerleben.

In Estland gibt es viele jährliche Folklorefestivals, wie das Võru Folk und das Folkmusikfestival Viljandi, wo Sänger und Musiker aus der ganzen Welt zusammenkommen und Lieder aus verschiedenen Kulturen und Glaubenssystemen vortragen. Sie spielen und führen auch verschiedene Rätsel, Legenden und Mythen auf.