Einige estnische Moore sind über 10.000 Jahre alt. Die meisten der Moore in Estland entstanden aus Seen, die allmählich, infolge der Verbreitung der Küstenvegetation vor etwa 6500 Jahren zu Morastböden wurden. Die anderen bildeten sich durch den umgekehrten Prozess – das Steigen des Grundwassers und die Versumpfung des mineralreichen Landes.

Die Moore gelten als geschätzte Orte unter den Vogelbeobachtern. Weil die Moore einen der interessantesten Lebensräume für Vögel darstellen, trifft man hier eine farbenreiche Auswahl, beginnend mit Arten der Tundravögel wie dem Goldregenpfeifer und dem Regenbrachvogel und endend mit Stockenten, Schellenten, Saat- und Blässgänsen sowie Singschwänen. Das ist aber nicht alles – die Vogelfauna Estlands umfasst etwa 340 natürliche Vogelarten. Über 200 Arten sind hier nistende Vögel, außerdem gilt Estland als ein üblicher Aufenthaltsort für etwa 30 Zugvogelarten und zufällige Besucher. 70 Vogelarten kommen hier nur noch selten vor.

Unter den in den estnischen Mooren beheimateten Wald-Tundra-Pflanzen sind die buschartige Zwerg-Birke und die Moltebeere am weitesten verbreitet. Etwa die Hälfte der estnischen Pflanzenarten wachsen in Mooren. In den Mooren gibt es aber noch anderes: dort wächst außer der Preisel- und Moosbeere sowie dem Heidekraut die prächtige fleischfressende Pflanze Estlands – der Rundblättrige Sonnentau. Dieser rötliche Insektenfresser kommt sehr häufig vor, aber nur wenige nehmen diese kleine Pflanze wahr. Im Moor gibt es auch eine große Menge an Krähenbeeren, Sumpfheidelbeeren und Moltebeeren. Ohne Zweifel bietet der herbstliche Wald in Estland ebenso den Pilzsammlern reichlich Freude. In Estland sind über 3700 Pilzarten verzeichnet worden, aber die eigentliche Anzahl sollte etwa bei 4500 Arten liegen.

Die Moore in Estland eignen sich hervorragend fürs Wandern und Beerensammeln. In mehreren Mooren sind Bretterwege gebaut worden, damit man angenehmer wandern und sich bewegen kann. Mehr als zwei Kilometer lange Bretterwege sind teils breiter, teils enger. Der Weg ist aber in Ordnung und die Füße bleiben trocken. An den Moorrändern befinden sich öfters offiziell angelegte Lagerfeuerplätze, an denen man nach einer abenteuerreichen Wanderung Wurst und Kartoffeln grillen kann. An den Aufenthaltsplätzen stehen zugleich Schuppen mit grob gesägtem trockenem Lagerfeuerholz. Das heißt, die Moorwanderer sind mit allem Nötigen für einen angenehmen Aufenthalt ausgerüstet. An den Wanderwegen von größeren Mooren sind zugleich Balkenhäuser errichtet worden, wo die Wanderer gut rasten und bei schönem Wetter das Schauspiel der untergehenden Sonne genießen können.

Das beste Gebiet für einen Moorbesuch ist der Nationalpark Soomaa, da diese den Großteil des Parks einnehmen. Ein beliebtes Moor unter den Wanderern ist ebenso das Hochmoor Meenikunno. Die dickste Torfschicht ist mit 17 m im Hochmoor Vällamäe im Südosten Estlands festgestellt worden. Derartige Sümpfe gibt es nirgendwo anders in Europa.

Ergänzende Information über den Natururlaub in Estland finden Sie unter der Adresse: www.visitestonia.com