Estland: Eine kurze Einführung in Geschichte und Kultur

Zuletzt aktualisiert28.01.2016

Quelle: Andrei Chertkov

Estland: Eine kurze Einführung in Geschichte und Kultur

Die Geschichte Estlands ist ein langer und kurvenreicher Weg durch die Zeit – sie erzählt die Geschichten vieler Völker, angefangen von den Wikingern über Königinnen und Könige zu den mittelalterlichen Kaufleuten deutscher, schwedischer, dänischer und russischer Herkunft. Der tief sitzende heidnische Geist des Landes und europäisches Denken führen dazu, dass Estland und seine Menschen sehr naturverwurzelt sind und dass das Land zugleich und durchaus mit etwas Stolz ein unabhängiges Mitglied der EU sowie der Nato ist, dessen Innovationen immer höheres Ansehen erlangen.

Der Anfang: alte Siedler


Kurz nach dem Ende der Eiszeit in Europa ließen sich im Jahre 9000 v. Chr. die ersten estnischen Ahnen an der Küste der Ostsee nieder. Bis zum Jahr 800 v. Chr. hatten sich bereits traditionelle estnische Dörfer und eine Dorfgemeinschaft gebildet. Viele Dörfer, die in diesem Zeitalter gegründet wurden, sind noch heute bewohnt!

Musterbeispiel der Kultur der alten Esten sind der rhythmische Vers und die akustische Tradition der Volkslieder, bei denen die erste Zeile mehrere Male mit thematischen Variationen wiederholt wird. Heute können Sie das Überbleibsel dieser Kultur auf der Insel Kihnu und in der Grenzregion Setu im Südwesten des Landes kennen lernen. Die Esten haben eine der umfangreichsten Volkliedsammlungen der ganzen Welt; es wurden 113.000 Volkslieder schriftlich festgehalten.

In der Kulturgeschichte der Esten ist der Naturgeist gleichrangig und tief verwurzelt, die Bäume werden verehrt und ihnen wird eine Urkraft nachgesagt. In dieser Region waren die Wälder zu allen Zeiten eine Quelle des Lebens und man glaubte, dass sie ein heiliger Platz für die Urreligion des Landes waren, wo die Vorfahren der modernen Esten die Waldgeister anbeteten.

Die estnischen Wikinger

Etwa 800 bis 1200 v. Chr. haben sich die Wikinger an der Ostsee Schlachten geliefert und hieran waren auch die estnischen Wikinger beteiligt. Zu dieser Zeit hatten die Bewohner von Estlands größter Insel Saaremaa, damals unter dem Namen Öselianer bekannt, eine beachtliche Seeflotte gebildet. Die berühmteste Begebenheit damals war, dass die Esten die norwegische Königin Astrid und ihren Sohn, den künftigen König Olaf Trygvesson, gefangengenommen haben. Zu Beginn des 12. Jahrhunderts haben sie Sigtuna, die damalige Hauptstadt Schwedens, geplündert und zerstört. Auch heute finden Sie auf Saaremaa noch zahlreiche Schätze aus der Wikingerzeit, überwiegend enthalten diese Silbermünzen und barren.

Die Blütezeit des Mittelalters


Ab dem 13. Jahrhundert bedrohten die Christen das Land und man konvertierte nach und nach zum Christentum; Herrscher waren nun der deutsche Orden und Dänemark. In dieser Zeit erhielten die Deutschen den Rang eines niedrigen Landadels und hatten für die nächsten 700 Jahre im Land das Sagen. Gebiete, die heute zu Estland und Lettland zählen, wurden zum mittelalterlichen Livland – ein lockerer Bund kleiner Staaten, der zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gehörte.

Der dänische König verlieh Tallinn, dem mittelalterlichen Schmuckstück des Landes, im Jahr 1248 das Lübeckische Stadtrecht, das übrigens in der Hauptstadt und in zahlreichen kleineren Städten noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts galt! In dieser Zeit waren die größeren Städte Estlands – Tallinn, Tartu, Pärnu und Viljandi – Mitglieder der wohlhabenden Hanse, eines Handels- und Verteidigungsbündnisses von Gilden der Kaufleute und ihren Marktstädten, die den Seehandel in Nordeuropa beherrschten.
Und wenn Sie heute durch die Altstadt Tallinns spazieren, dann sehen Sie einmal nach oben, dort erblicken Sie die Lagerräume für Salz, Tee und Mehl mit ihren Türen im Dachgeschoss und den Flaschenzügen, um die Waren nach oben zu befördern.
Recht bald wurde man in den benachbarten Königreichen, die ihren geografischen Einfluss ausdehnen wollten, auf das wirtschaftliche mittelalterliche Wohlergehen aufmerksam, und bis zum 18. Jahrhundert wurde Estland dann durch Dänemark, Schweden und die russischen Zaren beherrscht.
In diese Zeit fällt auch die Gründung der Universität Tartu durch den schwedischen König Gustav II. Adolf im Jahr 1632. Diese sollte später eine wichtige Rolle in der Zeit des nationalen Erwachsens spielen, denn hier wurde die blau-schwarz-weiße Flagge geweiht, die später im Jahre 1918 zur amtlichen Flagge der unabhängigen Republik Estland wurde.

Das moderne Estland


Die Republik Estland ist seit 1918 ein unabhängiger Staat. Diese Unabhängigkeit wurde nach dem zweiten Weltkrieg durch die sowjetische Besetzung für ein halbes Jahrhundert unterbrochen. Das Land wurde 1991 wieder unabhängig, auch als „Singende Revolution" bekannt, die unter anderem der über einhundertjährigen Sängerfesttradition zu verdanken ist.
Heute ist Estland ein prosperierendes Mitgliedsland der EU und der NATO, das den Blick nach vorne richtet, in dem Sie online wählen und in weniger als in einer halben Stunde über das Internet eine Firma gründen können. Hiervon wurde bereits häufig Gebrauch gemacht, beispielsweise von den Gründern von Skype und TransferWise.


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