Ellen Spielmanns Spaziergang durch Tallinn

Quelle: Rasmus Jurkatam, Visit Estonia

Ellen Spielmanns Spaziergang durch Tallinn

Text:

Ellen Spielmann

Die Reisejournalistin Ellen Spielmann hat für das Web-Magazin kulinariker.de einen Spaziergang durch Tallinn – und hier insbesondere durch die Altstadt – unternommen, stets auf den Spuren empfehlenswerter Sehenswürdigkeiten und guten Geschmacks. Der Text erscheint bei uns mit freundlicher Genehmigung der Autorin und des Magazins.


Telliskivi heißt deutsch Ziegelstein. Und so sehen die Ex-Fabrik- bzw. Bahngebäude auch aus: es sind vorwiegend Ziegelsteinbauten. Nur zehn Gehminuten vom Markt am Baltischen Bahnhof öffnet sich das Areal dieser Heimstadt von Tallinns Start up-Szene. Die neue Heimat der Kreativen erreicht man vorbei am Desinger-Concept store Valhalla Living und der im alten Eisenbahndepot (Depoo) in ausrangierten Waggons eingerichteten Open air-Szenekneipe Peatus. Im Telliskivi-Komplex lockt das Restaurant La Tabla mit lateinamerikanischer Küche, z. B. kolumbianischer Kartoffelsuppe mit Hühnerfleisch, Mais und Avocado, die auch draußen auf der Terrasse serviert wird.

Und außer Tischtennis spielenden Start up-Profis der jüngeren Generation findet man hier, vorbei an Wandmalereien, Blumenkübeln, Galerien und Open air-Fotoausstellungen flanierend, auch jede Menge weitere kulinarische Versuchungen, etwa im Frenchy Bistro! Schwer angesagt ist die Pudel Beer Bar, in der es nicht um Hunde, sondern auch um zahlreiche im Angebot befindliche Flaschenbiere, eben aus der Buddel geht. Doch 13 Biere aus Mikrobrauereien gibt es hier auch vom Fass (Mo – Mi 16.00 – 0.00, Do, Fr 16.00 – 2.00, Sa 12.00 – 2.00, So 14.00 – 0.00 Uhr geöffnet) Unbedingt einen Halt verdient das leckere Brot in der Filiale der Muhu-Bäckerei (Muhu Pagarid) von der kleinen Ostseeinsel Muhu (Mohninsel) zwischen Festland und Großinsel Saaremaa.

Spaziergang durch das alte Tallinn

Durch das Viru-Tor, eines der hunderte Jahre alten Stadtmauer-Tore, 1,9 Kilometer der Mauer ist noch erhalten, und durch die Altstadt, ein mittelalterliches weitgehend intaktes und phantastisch restauriertes Areal dieser Größenordnung mit seiner Hanse- und deutscher Gildentradition zu spazieren, ist zweifellos einzigartig. Für großes Erstaunen sorgt in dieser Mauer ein Ehrendenkmal zu finden, das Russlands Präsidenten Boris Jelzin in Form einer bronzenen Inschrift gewidmet ist. Unter seiner Ägide wurde es ab 1989 bis 1991 möglich, Estlands Unabhängigkeit in der nach 1918 zweiten »singende Revolution« zurückzubringen.

Das Viru-Tor

Eingang in die Altstadt Tallinns

Foto: Rasmus Jurkatam, Visit Estonia

Ihre Souveränität wiederzuerlangen war den stolzen Esten eine solche Ehrung wert. Vom Stadttor Viru führt die gleichnamige Straße, sie ist eine der Haupttouristenmeilen in Tallinns Unterstadt mit guten Gourmet-Einkaufsmöglichkeiten. An der Viru 8 lässt sich ein wunderbar restauriertes Giebelhaus aus dem 13./14 Jahrhundert bewundern. In wenigen Minuten ist der Rathausplatz erreicht, das Herzstück der Unterstadt mit vielen Cafés, Kneipen und Restaurants. Sein Wahrzeichen ist die Figur des Vana Toomas, des Alten Soldaten Thomas, hoch oben auf der Turmspitze des Rathauses.

Der zentrale Rathausplatz

Markanter und geschichtsträchtiger Treffpunkt in der Altstadt Tallinns

Foto: Tanel Murd, Visit Estonia

Absolut sehenswert ist die "Raeaptek" (Ratsapotheke), die älteste Apotheke Europas: sie zeigt präparierte Schaustücke, z.B. ein kleines Krokodil, das früher eine gewichtige Rolle im Apothekerhandwerk spielte. Gleich um die Ecke an der Pikk (Lange Straße) liegt das Café Maiasmokk ("süßer Zahn"), es ist unter den Etablissements Tallins eine wahre Institution, 2019 feiert es sein 213. Jubiläum.

Als Zuckerbäckerei samt Laden wurde es 1806 von dem Schweizer (genauer Graubündener) Lorenz Cavietzel aus der Taufe gehoben. Aber erst viel später gelang es, das hier im Hause produzierte Marzipan populär und berühmt zu machen, schließlich schaffte es der Zuckerbäcker zum Hoflieferanten der Zarenfamilie in Sankt Petersburg zu werden.

Heute stellen 40 Mitarbeiter im Maiasmokk Marzipanfiguren in Handarbeit her. Im Marzipanmuseumszimmer kann man zusehen wie ein Chocolatier neue Modellpralinen bemalt. In der Glasvitrine ausgestellt, aber auch käuflich, sind vier Bären aus Marzipan: "Breschnews Bären", sie wurden auf Wunsch Leonid Breschnew (1907 – 1982) kreiert.


In der Langen Straße, der zweiten Flaniermeile der Unterstadt, liegen architektonische Schmuckstücke: "Three sisters", ein Komplex aus drei nebeneinander stehenden mittelalterlichen Giebelhäusern, das als Luxushotel fungiert. In diesen ehemaligen Hanse-Kaufmannshäusern von 1362 nächtigten schon Queen Elizabeth II und andere Celebrities.

Die "drei Schwestern"

Heute ein Luxushotel in Tallinn

Foto: Hotel Kolm Õde, Visit Estonia

Keine fünfzig Meter entfernt steht ein komplett restauriertes Jugendstilensemble mit Drachenfiguren, Fröschen, das Jacques Gustav-Adolf Rosenbaum-Ehrenbruch, er stammt aus einer deutsch-baltischen Familie, 1910 entwarf wie auch das Haus gegenüber (1908) mit einer reich geschmückten Fassade aus Jugendstilelementen, ein absoluter Hingucker ist die menschliche Figur "Mann mit Zwicker".


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Zuletzt aktualisiert: 29.01.2019

Thema: Tallinn, Geschichte & Kultur, Essen, Trinken & Nachtleben

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