Erkältungszeit: Hausmittel aus Estland

Quelle: Birgit Varblane, Visit Estonia

Erkältungszeit: Hausmittel aus Estland

Text:

Kerli, kerlimusic



Estlands Natur ist reich. Kein Wunder, dass die Esten seit Jahrhunderten auch viele Heilmittel aus ihr gewinnen. Die international bekannte estnische Sängerin Kerli verrät uns hier ein paar Geheimnisse für Gesundheit und Wohlbefinden, die in ihrer Familie und in Estland insgesamt eine lange Tradition haben. Vor allem bei Erkältungen und grippalen Infekten können sie Wunder wirken - als Therapie oder zur Vorbeugung. Auch wenn das eine oder andere vielleicht etwas mystisch und seltsam wirkt: es kommt immer auf einen Versuch an.


Die estnische Sängerin Kerli

Foto:  Kerli / Feral Hearts, Official Video, Still / kerlimusic, Visit Estonia


Winterzeit – Erkältungszeit. Alle Menschen um mich herum niesen und husten und ich dachte mir, das könnte der richtige Zeitpunkt sein, um euch ein paar vielleicht ziemlich merkwürdige, aber hilfreiche und bewährte Tricks und Tipps zu verraten, die die Bewohner Estlands seit Jahrhunderten nutzen, um eine Erkältung zu behandeln oder – noch besser – um erst gar keine zu bekommen.

Die Tipps sind ziemlich solide: einfach und schnörkellos. Und auch, wenn manches darunter dem zeitgenössischen, modernen Menschen etwas verrückt vorkommen mag: ich kann voll und ganz dahinterstehen. Es sind Ratschläge, die in meiner Familie von Generation zu Generation weitergegeben wurden und sie waren bislang immer hilfreich. Zumindest macht es aber Spaß, sie einfach mal auszuprobieren.


Die Wodka-Socken

Wodka-Socken

Der estnische Königsweg zur Fiebersenkung!

Foto: Toomas Tuul, Visit Estonia

Ihr habt richtig gelesen. Meine Großmutter ist der felsenfesten Überzeugung, dass dies der Königsweg ist, um Fieber und Infektionen loszuwerden. Alles, was ihr tun müsst, ist, abends vor dem Schlafengehen ein Paar dünne Socken in Wodka zu tränken und sie anzuziehen. Darüber streift ihr dann ein Paar dicke Wollsocken und legt euch ins Bett. Morgens sollten die Wodka-Socken trocken und ihr fieberfrei sein.

Meine Großmutter wird auch nicht müde zu betonen, dass eine Ganzkörper-Einreibung mit Wodka schmerzende Muskeln beruhigt. Vielleicht könnt ihr das mit eurem Partner zu Entspannungszwecken mal ausprobieren? Statt einer normalen Massage rubbelt ihr euch einfach gegenseitig mit Wodka ab.


Die Brust-Einreibung mit Gänsefett

Ich habe meine Großmutter gefragt, wo man heutzutage überhaupt Gänsefett bekommt. Sie antwortete sehr bestimmt, dass die Produzenten es überall auf dem Markt verkaufen. Damit meint sie alte Frauen von abgelegenen Wald-Bauernhöfen, die in kleinen Städtchen winzige Stände an der Straße betreiben.

Ich kann mich ziemlich gut daran erinnern, dass wir in Kindertagen oft diese Gänsefett-Einreibungen bekamen. Im Grunde ist es das „Wick Vaporub" vergangener Tage und hat auch genau den gleichen Zweck: die Bronchien zu weiten und den Reizhusten zu beruhigen.


Die Winter-Knoblauch-Kur

Knoblauch

Wirkt entzündungshemmend und antibiotisch.

Foto: Remo Savisaar, Visit Estonia

Wusstet ihr, dass Knoblauch antibiotisch wirkt? Es ist einer der gnadenlosesten Bakterienkiller und Entzündungshemmer der Pflanzenwelt.

Wenn ihr euer Immunsystem dauerhaft in Schwung bringen wollt, esst während der gesamten Wintersaison täglich einen Löffel kleingehackten und mit Honig verrührten Knoblauch. Ich kann euch nicht versprechen, dass euer Atem dann besonders lecker riecht, aber meine Mutter schwört auf diese Kur und scheint gegen Erkältungen weitgehend immun zu sein.


Das heiße Fußbad

Dieser Tipp ist sooo einfach und trotzdem eine der wirkungsvollsten Möglichkeiten, frühzeitig eine Erkältung zu bekämpfen. Du füllst einen Eimer mit heißem Wasser – so heiß, dass du es gerade aushalten kannst –, steckst deine Füße hinein und badest sie, bis sich das Wasser deutlich abgekühlt hat, ungefähr eine halbe Stunde lang. Danach ziehst du dir warme Socken an und legst dich ins Bett. Wenn du das ein paar Abende hintereinander machst, wirst du dich jeden Tag deutlich besser fühlen.

Du solltest das heiße Fußbad allerdings nicht unbedingt anwenden, wenn du schon Fieber hast; es könnte die Sache verschlimmern. Am besten wirkt es, wenn du anfängliche Erkältungssymptome wie eine laufende Nase und leichten Husten hast. Meine Großmutter sagt, sie gebe dem heißen Fußbad gemahlene Senfkörner zu, um es noch wirksamer zu machen. Du kannst stattdessen aber auch Bittersalz verwenden.


Der Ringelblumen-Blüten-Tee

Ringelblumen

Sehr hübsch in der Vase und als Schmuck im Essen; wirksam bei Entzündungen.

Foto: Marju Randmer, Visit Estonia

Dieser Tee ist in Estland weit verbreitet und beliebt – sogar unter jungen Leuten. Er wirkt entzündungshemmend und verfügt über Heilkräfte, die bei einer ganzen Reihe von Erkrankungen sinnvoll sind. Meine Großmutter rät zu einer jeweils 5-tägigen Tee-Trinkkur, bei der du ständig kleine Schlückchen zu dir nimmst und so über den Tag verteilt mehrere Tassen Tee getrunken hast.

Am wirksamsten ist die Ringelblume, wenn du sie mittags gepflückt und sorgsam getrocknet hast. Die liebevolle Beziehung zu der Pflanze erhöht ihr Heilungspotential.


Die Salz-Säckchen

Salz-Säckchen sind toll! Du besorgst dir Bitter- oder Meersalz und befüllst damit irgendetwas Säckchenförmiges – zum Beispiel eine ausgediente Socke. Dann schmeißt du den Herd an und legst das gefüllte Salz-Säckchen entweder direkt auf die Herdplatte oder in eine Pfanne, um es zu erwärmen. Achtung! – das geht sehr schnell und direkt nach warm kommt Feuer; warte also nicht zu lange.

Das warme Salz-Säckchen legst du dann auf eine beliebige Stelle deines Körpers, die gerade heilsame Aufmerksamkeit benötigt – zum Beispiel deine Wangen neben der Nase im Fall einer Sinusitis. Salz-Säckchen helfen auch bei der Entspannung verkrampfter Muskeln.


Der Kartoffel-Dampf

Die Kartoffel

Estlands Lieblingsgemüse kennt auch medizinische Anwendungsgebiete.

Foto: Marju Randmer, Visit Estonia

Kartoffel-Dampf ist der Vorläufer heutiger Inhalationstherapien. Meine Großmutter setzte in einem Topf Kartoffeln aufs Feuer und wenn das Wasser kochte, beugten wir uns über den dampfenden Topf – natürlich mit einem großen Handtuch über dem Kopf, damit der Dampf in unsere Atemwege gelangte und nicht in die Küche. Hilfreich ist die Sache bei Schnupfen, Husten und Heiserkeit.


Das Nessel-Wasser

Idealerweise nimmst du ein paar Nesseln mit in die Sauna und weichst sie dort zusammen mit deinem Sauna-Quirl ein. Sauna-Quirle sind Reißig-Bündel – meist hauptsächlich aus Birkenzweigen –, mit denen wir Esten uns während des Saunaganges ausgiebig schlagen, um unseren Körper zu durchbluten und zu entgiften. Doch, das stimmt wirklich! Dann nimmst du das Einweichwasser und wäscht dich damit von Kopf bis Fuß, denn die Nessel gilt als Allheilmittel. Man hat herausgefunden, dass sie unglaublich viele Vitamine und Nährstoffe enthält.

Wenn du eine Affinität zu energetischen Sichtweisen hast, kannst du Nesseln auch um dein Haus herum anpflanzen. Sie bilden eine energetische Mauer und schützen dich vor schlechten und krankmachenden Energien.


Der blaue Schal

Ich erinnere mich daran, als Kind einmal unsere Schul-Krankenschwester aufgesucht zu haben, weil ich Halsweh hatte. Sie empfahl mir als Therapie einen blauen Schal zu tragen. Ich muss das unbedingt endlich mal ausprobieren, denn ich glaube daran, dass Farben Schwingungen besitzen und man mit ihrer Hilfe Zustände verändern kann. Von Blau wird gesagt, dass es heilend wirke. Und interessanterweise gilt Hellblau in östlichen spirituellen medizinischen Systemen als Farbe des Hals-Chakras.


Die Liebe

Liebe heilt alles

Foto: Marek Metslaid, Visit Estonia

Es gibt nichts Besseres als das schöne Gefühl, dass sich jemand um dich sorgt und kümmert, wenn du krank bist. Meine Großmutter und meine Mutter glauben beide an die heilende Kraft von Gedanken und Berührungen. Deshalb haben sie uns im Krankheitsfall auf den Arm – später auf den Schoß – genommen und kleine Sprüche aufgesagt, um den Heilungsprozess positiv zu beeinflussen. Der bekannteste Spruch geht so: "Varesele valu, harakale haigus, meie laps saagu terveks!" Etwas frei übersetzt, um die Alliteration zu erhalten, heißt das: „Der Elster das Elend, die Krankheit der Krähe, – auf dass unser Kind gesund werden möge!"

Gute Besserung!


Zuletzt aktualisiert: 15.02.2019

Thema: Gesundheit & Wohlbefinden

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