Estland: Fast noch ein Geheimtipp für Wassersportler

Quelle: Jürgen Duscha

Estland: Fast noch ein Geheimtipp für Wassersportler

Quelle: Jürgen Duscha

Estland gilt als ein ideales Törnziel in der östlichen Ostsee. Überfüllte Marinas und Strönde gibt es hier nicht. Stattdessen wartet das Land mit wilder Natur, ca 4000 km Küstenlinie, gastfreundlichen Menschen, schönem Segelwetter von Mai bis September und niedrigen Hafengebühren auf. Mehr darüber schreibt der Journalist Jürgen Duscha, der im Sommer 2016 in Estland eine Segeltour gemacht hat.

So ganz genau ist die Länge der Küstenlinie von Estland nicht festzulegen, aber rund 4.000 Kilometer sind schon eine imposante Zahl für dieses traumhafte Segelrevier im Norden, das zum Teil noch aus seinem Dornröschenschlaf erweckt werden möchte.

Noch nicht sehr lange hat sich Estland für Yachturlauber erschlossen. Der kleinste der baltischen Staaten mit nur 1,34 Millionen Einwohnern gehört zu den am dünnsten besiedelten Ländern Europas mit einer Fläche etwa so groß wie die Niederlande.

Doch die etwa 50 Yachthäfen und Marinas bieten meist alles, was Wassertouristen benötigen. Für entspannte Tagestörns sorgen Entfernungen zwischen den Häfen von meist nicht über 30 Seemeilen. Hier gibt es noch keinen Massentourismus und damit muss man auch in der Hauptsaison beim Segeln nicht befürchten, keinen Liegeplatz zu finden, denn freie Liegeplätze und menschenleere Strände gibt es hier selbst in den Ferien.

Das Baltikum und die finnischen Schärenküsten sind für deutsche Segler zwar nicht gerade vor der Haustür, aber wer einmal die rund 500 Seemeilen lange Anreise von der deutschen Ostseeküste hinter sich gebracht hat und in dem Inselrevier Saaremaa, Hiiumaa oder Muhu gelandet ist, findet ein traumhaftes Revier vor, das neben einer abwechslungsreichen Küstenlinie auch noch über 2.000 Inseln und einsame Buchten bietet.

Für den "langen Schlag" von der deutschen Ostseeküste bis zum ersten estnischen Yachthafen Kuressaare auf der Insel Saaremaa geht es an Gedser vorbei, nördlich an Bornholm entlang und dann von der Südspitze Gotlands fast in einer geraden Linie auf dem kürzesten Weg zur Südspitze von Saaremaa in die Rigaer Bucht.

Eine weitere Möglichkeit wäre, an der Küstenlinie entlang zu segeln, über Rügen, die polnischen Küsten und Häfen bis Danzig und dann mit einem etwa 100 Semeilen langen Schlag an der russischen Enklave Kaliningrad vorbei nach Klaipeda in Litauen. Von dort geht es weiter die Küste entlang an Lettland vorbei, eventuell mit Zwischenstopp in Liepajas, bis in die Rigaer Bucht. Beispielsweise auf die Insel Ruhnu, die südlichste Insel Estlands, die als "Perle des Baltikums" bezeichnet wird und die mit "Limo" den schönsten Strand Estlands haben soll.

Wer auch Schweden einen Besuch abstatten möchte startet von Deutschland aus über Gedser an die schwedische Südküste nach Ystad und Karlskrona, dann weiter durch den Kalmarsund immer entlang der Westküste von Öland, von dort hinüber nach Visby auf Gotland und weiter durch den Farösund nach Saaremaa.

Für einen Weg über Bornholm bietet sich als weiteres Ziel die Südspitze von Öland an, um von dort einen langen Schlag mit etwa 180 Seemeilen nach Liepajas in Lettland zu starten. Von dort geht es weiter nach Saaremaa.

Wer weniger Zeit für die Anreise verwenden möchte, kann auch die Hauptstadt Tallinn von vielen deutschen Flughäfen direkt in zwei bis drei Stunden Flugzeit erreichen und eine der vielen Charterbasen als Ausgangspunkt für einen ruhigen und entspannten Segeltörn nutzen. Bei Nordsail beispielsweise gibt es die Möglichkeit zwischen zwei Ausgangshäfen zu wählen: Tallinn im Altstadt-Yachthafen oder Haapsalu im Westmer-Yachthafen.

Fährverbindungen gibt es von Rostock oder Travemünde nach Tallinn, so dass man auch die eigene Yacht auf dem Hänger mitnehmen kann.

Eine weitere, nicht uninteressante Option ist ein „one-way-Törn" zum Ende der Saison, bei dem Eigner ihre Yacht in Estland ins Winterlager bringen können, um dann im nächsten Jahr die Entdeckungsreise fortzusetzen. Außerdem lässt sich das Winterlager mit Arbeiten an der Yacht wie einem Refit, einer Erneuerung des Teakdecks oder ähnlicher Dinge kombinieren. Die Kosten für diese Arbeiten mit hohem Qualitätsniveau sind in Estland deutlich günstiger als in Deutschland. Diesen kombinierten Service bietet beispielsweise Thomas Nielsen von Yachtsport Eckernförde an, der auf Saaremaa eine Werft betreibt.

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©Fotos: Duscha, VisitEstonia, Wikimedia

Zuletzt aktualisiert: 21.06.2017

Thema: Tallinn, Westestland, Die Inseln, Aktivitäten & Abenteuer

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