Gefängnis Patarei – Leuchtturm des Gedächtnisses im Zentrum der Stadt Tallinn

Quelle: Martin Andreller / Eesti Mälu Instituut

Gefängnis Patarei – Leuchtturm des Gedächtnisses im Zentrum der Stadt Tallinn

Im Zentrum der Stadt Tallinn an der Küste des finnischen Meerbusens befindet sich ein Ort finsterer Geschichte – die Seefestung und das ehemalige Gefängnis Patarei. Es handelt sich um eine am meisten bedrohte Stätte in Europa und um eines der Symbole des kommunistischen Terrors. Während des 20. Jahrhunderts wurde Patarei von den totalitaristischen Regimen Deutschlands und der Sowjetunion benutzt, um unschuldige Menschen zu inhaftieren. Seit 15. Mai 2019 ist im Gebäude eine Ausstellungsfläche „Kommunismus ist Gefängnis“ geöffnet, die von der Ideologie und den Straftaten des Kommunismus sowohl in Estland als auch in der Welt erzählt.

Seefestung Patarei, Sicht von oben

Foto: Toomas Tuul

Populärer Kulturkilometer

Auf der einen Seite das Museum Wasserflughafen und die Werft Noblessner, auf der anderen Seite das Kreuzfahrthafen – Patarei befindet sich in Tallinn am populären Kulturkilometer am Meer. Patarei, das jahrelang leer stand, bildet mit seinen Nachbarn, dem Museum Wasserflughafen, der Entdeckungsfabrik PROTO und dem Kunstzentrum Kai, ein spannendes, schnell entwickelndes Kultur- und Freizeitzentrum im nördlichen Teil der Stadt Tallinn, das nur 15 Fußminuten von den Tallinner Hauptatraktionen, der Altstadt  und Kreativcampus Telliskivi im Stadtteil Kalamaja, entfernt ist.

Foto: Martin Andreller / Eesti Mälu Instituut

Patarei ist einer der größten als Ganzes erhaltenen Anlagen klassizistischer Architektur in Estland und in der näheren Umgebung. Die Anlage wurde 1840 als Teil des Schutzsystems der Hauptstadt Russlands Sankt Petersburg errichtet (1710–1918 war Estland Teil des Kaiserreichs Russland). Die 1918 gegründete selbstständige Republik Estland benutzte die bisherige Kaserne seit 1920 als Zentralgefängnis und in dieser Funktion wurde das Gebäude ohne Unterbrechung bis 1940, als Estland von der Sowjetunion besetzt wurde, benutzt.

Auch als Estland wieder selbstständig wurde (1991), diente Patarei bis 2002 weiterhin als Gefängnis. Die gesamte Anlage Patarei steht als Baudenkmal unter staatlichen Denkmalschutz.

Foto: Martin Andreller / Eesti Mälu Instituut

In den Jahren 1940–1991 benutzte vor allem die sowjetische Besatzungsmacht die Anlage Patarei als Gefängnis (während der deutschen Besatzung 1941–1944 wurde Patarei vom nationalsozialistischen Deutschland zu gleichen Zwecken benutzt). Neben Straftätern wurden da auch politische Gegner des Regimes gefangen gehalten und hingerichtet. Insgesamt wurden während der sowjetischen Besatzung geschätzt 45 000 Bürger und Einwohner Estlands aus politischen Gründen inhaftiert. Die meisten von diesen Personen waren auch in Patarei und genau darum gilt Patarei für die Einwohner von Estland als eines der größten Symbole des sowjetischen politischen Terrors.

Foto: Martin Andreller / Eesti Mälu Instituut

Die Ausstellungsfläche „Kommunismus ist Gefängnis“ in Patarei umfasst etwa 1200m2 und zeigt auch heute noch ein authentisches Inneres des Gefängnisses und stellt das Wesen der kommunistischen Ideologie und die Straftaten der Menschen, die dies in Estland und in anderen Staaten angewandt haben, dar; es werden aber auch Geschichten der Opfer des Kommunismus und des Nazismus sowie die bewegte Geschichte von Patarei ab der Errichtung als Seefestung im 19. Jahrhundert erzählt.

Foto: Martin Andreller / Eesti Mälu Instituut

Unabhängig vom Wohnort, der Herkunft und der Muttersprache – Patarei spricht jeden an. Sie warnt uns vor der Gefahr der totalitären Ideen und erinnert uns an den Wert der Menschenwürde und der Freiheit. Man kann in Patarei lernen, erfahren, gedenken, nachdenken. Es ist geplant, in der Zukunft in Patarei das internationale Gedenkmuseum der Opfer des Kommunismus zu errichten.

 www.patareiprison.org

Zuletzt aktualisiert: 16.05.2019

Thema: Tallinn

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