Eine kulinarische Rundreise durch Estland

Quelle: Silva Raidla, Visit Estonia

Eine kulinarische Rundreise durch Estland

Estland ist nicht nur hinsichtlich seiner überwältigenden Natur, sondern auch kulinarisch ein Land für Genießer. Wir haben uns von Tallinn aus auf eine Rundreise begeben – immer der Nase und dem Geschmackssinn nach – und dabei viel gegessen und getrunken. Einige schöne, interessante und leckere Stationen haben wir hier zusammengetragen.


Tallinn

Unsere Rundreise startet in Tallinn. Da das Angebot an ausgezeichneten Restaurants hier einfach riesig ist, verweisen wir an dieser Stelle einfach auf unseren Beitrag über die 10 Tallinner Top-Restaurants. Wir überspringen also die Hauptstadt, setzen unsere lukullische Reise entgegen dem Uhrzeigersinn in Richtung Westen fort und machen im reizenden Seebad Haapsalu den ersten hungrigen Halt.

Eines der besten Restaurants Estlands: Das „NOA" in Tallinn

Foto: Mariann Liimal, Visit Estonia

Haapsalu

Der west-estnische Kurort wird auch das „Venedig des Nordens" genannt. Hier kann man auf den Spuren des Komponisten Peter Tschaikowski, der des Öfteren die Sommerfrische in Haapsalu verbrachte, durch die malerischen Gassen bummeln.

Und man kann ausgezeichnet essen. Das sollte man zum Beispiel im Restaurant Kärme Küülik – zu Deutsch: „Das schnelle Kaninchen" – tun. Hier wird Fleisch auf offenem Feuer gegrillt, der Kaninchenbraten ist ein Gedicht und Pasta und Pizza sind von A bis Z hausgemacht.

Das „Hapsal Dietrich" in Haapsalu

Foto: Silva Raidla, Visit Estonia

Ebenfalls großartig und verboten lecker ist es im Hapsal Dietrich. Die Dietrich-Küchencrew kann alles: Vom Frühstück über die Gerichte der kleinen und vorzüglichen Mittags- und Abendkarte bis hin zu den selbstgebackenen Kuchen. Ein sympathisches Juwel!

Insel Hiiumaa

Weiter geht's westwärts und wir landen auf der Insel Hiiumaa. Der absolute gastronomische Geheimtipp findet sich an der Nordküste. Es ist das kleine Restaurant Ungru. Eine junge Crew um einen jungen Chef, der früher im Top-Restaurant Tallinns gekocht hat, bereitet hier mit viel Leidenschaft traditionelle Gerichte auf moderne Art und Weise zu. Man sollte sich dieses sensationelle Geschmackserlebnis auf gar keinen Fall entgehen lassen.

Dem Restaurant ist ein Gästehaus mit sehr gemütlichen Zimmern angeschlossen. Hier kann man also auch übernachten!

Geheimtipp auf Hiiumaa: Das „Ungru" mit junger estnischer Küche. Und mit Übernachtungsmöglichkeit!

Foto: Ungru Resto, Visit Estonia

Inseln Muhu und Saaremaa

Auf der kleinen Insel Muhu kehren wir in ein gemütliches Hofrestaurant ein. Wirtin Ingrem Raudjõe betreibt den Nautse-Mihkli-Hof. Bei ihr kann man mittags und abends traditionell Estnisch essen und mit ihr zusammen in der Studio-Küche kochen. Es stehen auch Zimmer für die Übernachtung zu Verfügung.

Und wo wir gerade auf Muhu sind, besuchen wir natürlich auch einen der nördlichsten Winzerbetriebe der Welt und probieren uns quer durch die Fässer. Muhu Veinitalu, der Weinhof der Insel Muhu, ist ein Erlebnis für sich.

Das Hauptgebäude des Nautse-Mihkli-Hofes im Abendlicht

Foto: Thomas Elson, Visit Estonia

Apropos Alkohol: Wir machen einen Abstecher nach Saaremaa, weil wir es endlich probieren wollen, das handwerklich hergestellte, hausgebraute Bier aus Pöide (Craft Beer), von dem wir schon so viel gehört haben. Und es lohnt sich! Die Pöide-Brauerei befindet sich inzwischen in der Insel-Hauptstadt Kuressaare und kann nach voriger Terminabsprache besucht werden.

Tartu

Wir fahren ins südliche Landesinnere. In der zweitgrößten Stadt Estlands – sie versteht sich übrigens, nicht ganz zu Unrecht, als Kulturhauptstadt des Landes – kommen wir passenderweise just zum alljährlich stattfindenden Streetfood-Festival an. Gaumenfreuden ohne Ende! Hier kann man sich durch eine Vielzahl an estnischen, aber auch internationalen Gerichten von Fingerfood bis Seafood futtern. Es ist das Paradies!

Lecker' Streetfood in Tartu

Foto: Visit Estonia

Auch Tartu verfügt über mehrere empfehlenswerte gastronomische Betriebe, die einzeln zu beschreiben jedoch den Rahmen dieses Artikels sprengen würde. Aber aufzählen wollen wir einige von ihnen immerhin:

Sie alle sind einen Besuch wert!

Vom Peipus-See nach Lahemaa

Entlang des Peipus-Sees mit seiner einzigartigen gewachsenen Kultur – hier leben viele ethnisch-russische "Altgläubige" und überall werden Zwiebeln verkauft – fahren wir gen Norden und dort die Küste westwärts bis in den Nationalpark Lahemaa. Zwei tolle kulinarische Stationen warten noch auf uns.

Zunächst machen wir einen kurzen Stopp in der urigen Gaststätte Altja Kõrts im Fischerdorf Altja, wo wir Knoblauchbrot und getrockneten Fisch zu einem kleinen Bier snacken (bis auf den Fahrer, der leider nüchtern bleiben muss – in Estland gilt die Null Promille-Grenze), um schließlich zu jenem Restaurant direkt am Ostseeufer aufzubrechen, das sich als unser persönliches Highlight der gesamten Reise herausstellen wird.

Im Paradies angekommen: das Restaurant „Ruhe"

Der im Deutschen so passende Name des Restaurants – Ruhe – bezeichnet übrigens auf Estnisch eigentlich ein kleines Holzboot. :-)

Foto: drone.ee / Visit Estonia


Das Essen ist im Restaurant Ruhe am Rande des 10 Häuser-Dorfes Neeme selbstverständlich ausgezeichnet, wie in allen in diesem Artikel empfohlenen Restaurants. Was das „Ruhe" aber zur Perle macht, ist seine Lage. Die ist unbezahlbar und für gestresste Großstädter gleicht ein Aufenthalt zum Abendessen auf der Restaurant-Terrasse und mit Blick auf das von der untergehenden Sonne beschienene Meer einer Meditation: Man is(s)t hier einfach binnen fünf Minuten tiefenentspannt. Herrlich!

P.S.:
Es hätte noch so viel zu erkunden gegeben. Vieles haben wir auch tatsächlich noch erkundet, konnten es aber nicht mehr im Text unterbringen. Wir waren noch in Pärnu und haben den Cidre-Produzenten Jaanihanso besucht. Und wir waren bei den Setukesen in Setumaa (Südestland) und haben uns dort den Bauch mit Fisch und Kuchen vollgeschlagen. Aber dieser Beitrag sollte ja kein lukullischer Roman werden, sondern ein kleiner kulinarischer Reisebericht für Genussmenschen. Wir hoffen, er ist uns gelungen und wünschen schon mal viel Spaß und guten Appetit beim Nachreisen und Schlemmen quer durch Estland!


Zuletzt aktualisiert: 12.11.2018

Thema: Tallinn, Südestland, Westestland, Die Inseln, Nordestland, Essen, Trinken & Nachtleben

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