Weihnachten in Tallinn, Riga und Vilnius

Quelle: Sixten Sepp, Visit Estonia

Weihnachten in Tallinn, Riga und Vilnius

Von:

Philip Duckwitz,Der Journeylist


Der Reisejournalist Philip Duckwitz hat das Baltikum zur Weihnachtszeit besucht und erzählt in seinem Bericht über Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Besonderheiten in den Fest-Traditionen Estlands, Lettlands und Litauens.

Weihnachten im Baltikum folgt je nach Land völlig unterschiedlichen Traditionen, denn obwohl die drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen so dicht beieinander liegen, sind sie in ihren Traditionen, Sprachen und Kulturen völlig unterschiedlich, zur Weihnachtszeit ähneln sich die Länder aber wieder, was daran liegen mag, dass in allen Dreien das Weihnachtsfest jahrzehntelang unter russischer Okkupation untersagt war und man nun erst seit einigen Jahren die Vorweihnachtszeit wieder neu entdeckt hat. Die Bemühungen, Tradition und Moderne miteinander zu verbinden, führen dabei zu recht ähnlichen Ausprägungen, die ihre besondere Note durch die Kultur des Landes erhalten.

Weihnachtliches Tallinn – Pfefferkuchen, Marzipan und viel mittelalterliches Flair

Die Türme, Kirchen und Dächer leuchten rot strahlend vor dem heute grauen Himmel der winterlichen Kulisse. Schnee ist hier in der estnischen Hauptstadt selten, aber nicht unmöglich zu finden. Tallinn hat sich für die Weihnachtszeit herausgeputzt. Vom Domberg aus lässt sich das Panorama der weihnachtlichen Altstadt eindrucksvoll beobachten. Hier also begann einst Mitte des 11. Jahrhunderts mit einer hölzernen Burg und einem Handelsplatz die Geschichte der Stadt, die bis 1918 Reval hieß und die heute auf eine dänisch-deutsche Geschichte mit russischen Einflüssen der jüngeren Vergangenheit zurückblickt.

Heute sitzt hier oben auf dem Domberg das Parlament, dessen Gebäude sich direkt hinter der markanten, russisch-orthodoxen Alexander-Newski-Kathedrale befindet. Der Hafen, der sich etwa zeitgleich mit der Burg entwickelte, ist noch heute nicht nur der bedeutendste Wirtschaftshafen der Region, auch weil er ganzjährig eisfrei ist, sondern Anlaufziel zahlreicher Kreuzfahrtschiffe, die Touristenschwärme mit sich bringen. Anders als die Kreuzfahrer- und Ritter des deutschen Ordens, die sich hier vom 14. bis 16. Jahrhundert tummelten, um Handel zu treiben und den Glauben zu verbreiten, kommt es mir spontan in den Sinn.


Der Weihnachtsmarkt in Tallinn

Dieses Jahre wurde der Weihnachtsmarkt der estnischen Hauptstadt zum schönsten Weihnachtsmarkt Europas gekürt.

Foto: Kaupo Kalda, Visit Estonia


Während den Sowjet-Besatzung war Weihnachten – ähnlich wie überall im Ostblock – verboten, wurde wenn überhaupt nur zu Hause im Hinterzimmer gefeiert. Die Feiertage waren auf Silvester und Neujahr beschränkt. Trotzdem besuchte man an Weihnachten die Messe und – als friedlicher Protest gegen die Sowjets und ihre atheistische Ideologie – begann man, nach der Messe an den Gräbern der Verstorbenen Kerzen anzuzünden.

Statt christlichen Symbolen und Figuren hielt Väterchen Frost Einzug, das östliche Gegenstück zum Weihnachtsmann. Allerorts werden die bärtigen Figuren mit meist buntem Mantel und Stab als handgeschnitzte Exemplare zum Kauf in den Souvenirläden feilgeboten.

Estnische Traditionen dagegen bilden eine Mischung aus heidnischen und religiösen Motiven. Zurückgehend auf den St.-Thomas Tag begann früher die Weihnachtszeit in Estland am 21. Dezember und endete am 6. Januar. Noch heute dauert das Weihnachtsfest bis zu diesem Tag an, allerdings wohl mehr, um der russisch-orthodoxen Minderheit im Land auch die Möglichkeit der Teilnahme am Weihnachtsflair des Landes teilzunehmen, denn bei den Orthodoxen ist Weihnachten nach dem julianischen Kalender erst am 6. Januar.

„Jõulud" nennt der Este das Weihnachtsfest, das vom 24.-27. Dezember, also an vier Tagen gefeiert wird. Zurückgehend auf das skandinavische „Jul", das Fest der Wintersonnenwende. Laute Tätigkeiten waren an den Festtagen verboten, man wollte die guten Geister nicht erschrecken und vertreiben. An Heiligabend geht man bis heute vor dem Kirchgang noch in die Sauna, um gereinigt das Fest zu beginnen. Eine Anlehnung an finnische Traditionen, denn mit Finnland ist man in Estland in jeder Hinsicht sehr verbunden und das nicht nur durch gemeinsame, sprachliche Nähe.


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Der Textauszug wird bei Visit Estonia mit freundlicher Genehmigung des Portals veröffentlicht.


Zuletzt aktualisiert: 21.12.2018

Thema: Tallinn, Geschichte & Kultur

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