Estnische Ostertraditionen - Alt trifft Neu

Quelle: Arne Ader

Estnische Ostertraditionen - Alt trifft Neu

In Estland ist Ostern das Zeichen des Frühlingsbeginns - es ist eine Zeit des Feierns und der Tradition. Manche von diesen Traditionen des 19. Jahrhunderts werden bis heute praktiziert!

Ostern wird mit vielen verschiedenen Namen im estnischen benannt; Ülestõusmispüha (Auferstehungsfest), Lihavõtted (bedeutet wörtlich der Feiertag des Fleischnehmens, was das Ende der Fastenzeit bedeutet), Munadepüha (Eierfeiertag) und Kiigepühad (Schaukelfeiertag, welches auf die Tradition des Schaukeln auf den großen hölzernen Dorfschaukeln am Ostersonntag hindeutet).

Eine traditionelle estnische Dorfschaukel

Esten, junge und alte werden immer noch von den traditionellen Dorfschaukeln angezogen.

Foto von: Sven Zacek

Ostersonntag wird in Estland gewöhnlich mit einem langen Mittagessen, Eier bemalen und einem altmodischen Eiersuchen begangen. Das dekorieren von Eiern ist weit verbreitet, normalerweise werden die Eier mit natürlichen Farbmitteln wie Zwiebelschalen oder Rote Beete-Saft gefärbt und werden dann in einem Korb in die Mitte des Tisches gestellt. Richtige Eier auf dem Tisch zu haben ist wichtig für den Eierklopfwettbewerb nach dem Essen, bei dem jedes Jahr ein neuer Sieger hervorgeht. Es ist einfach, du klopfst das Ende deines Eies gegen das deines Gegners und die Schale, die nicht kaputt geht gewinnt.

Viele Osterbräuche, wie Eierklopfen, die heute noch praktiziert werden, rühren von alten Volkstraditionen her. Eier rollen, wenn auch nicht verbreitet praktiziert, hat dasselbe Prinzip wie Eierklopfen, versuchen das Ei deines Gegners zu brechen. Ein Ei wird einen Haufen Sand heruntergerollt und trifft andere Eier - wie kompliziert die Rampe ist, hängt vollkommen von dir ab. Die Person, deren Ei ganz bleibt, gewinnt!


Frühlingsferien

Frühling in Estland

Foto von: Anneli Tandorf

Im estnischen Volkskalender, Kevadepüha oder Frühlingsferien liegen irgendwo dem 16. März und dem 20. April in der Woche, die mit Ostern endet. Diese Woche war sehr wichtig zur Beendigung der Haushaltsarbeiten, wie das Putzen nach einem langen Winter. Das Wetter während dieser Woche konnte gelegentlich das Wetter für den Sommer vorhersagen. Wenn es regnete, dann würde eine nasser Sommer kommen und wenn es Nebel gab, dann würde dies einen heißen Sommer bedeuten.


Gründonnerstag und Karfreitag

Gründonnerstag wurde als Teilfeiertag zur Vorbereitung für Karfreitag betrachtet. Leichteres Essen, wie Suppe wurde gegessen. Die Art der gegessenen Suppe variierte von Region zu Region, aber eines hatten sie gemeinsam, jeder hatte am Karfreitag Ruhetag. Es war selten, dass jemand an diesem Tag sein Haus verließ.

„Karfreitag ist ein solch wichtiger Feiertag, dass selbst die Ameise ihren Bau nicht verlässt, noch fällt ein Blatt vom Baum"
- Der estnische Volkskalender


Ostersonntag

So wie heutzutage, war der Ostersonntag eine Tag mit vielen Festlichkeiten. Es war gewöhnlich der Tag an dem Eier ausgetauscht oder Geschenke gemacht wurden. Junge Menschen würden sich bei nahen Dorfschaukel treffen und Mädchen würden die von ihnen dekorierten Ostereier den Jungen als Dank für den Bau der Schaukel geben, auf der sie den Nachmittag verbringen würden. Die Menschen würden in ihren Häusern zusammenkommen oder in der lokalen Kneipe und würden Eier und Geschenke tauschen. Eier waren auch Teil des Essen, gewöhnlich in Form von Eierbutter oder Eieraufstrich.


Eier Färben

Obwohl viele im Laden gekaufte Färbemittel einfacher zu benutzen sind, ist die Tradition der Nutzung natürlicher Färbemittel immer noch weit verbreitet. Nach dem estnischen Volkskalender, hatten die Farben eine Bedeutung: rosa - zart, grün - Hoffnung, blau - Treue, gelb - Falschheit, und grau - Ausgeglichenheit. Mädchen würden die Jungen ein Osterei wählen lassen und abhängend davon, welches sie wählten, würden die Mädchen in der Lage sein ihren Charakter zu beurteilen.

Die Osterbräuche und Frühlingstraditionen waren in den Regionen Estlands sehr unterschiedlich. Jedes Jahr feiert das estnische Freilichtmuseum in Tallinn manche dieser alten Ostertraditionen. Du kannst auch Setomaa in Südestland besuchen, um auch mehr über ihre Bräuche zu lernen.

Quelle: Estnischer Volkskalender II, zusammengestellt von Mall Hiiemäe, Tallinn: Verlag „Eesti Raamat", 1981.

Zuletzt aktualisiert: 28.03.2018

Thema: Geschichte & Kultur

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