Die Mittsommerfeiern sind für die Esten von jeher ein fröhliches Ereignis, mit dem die Ankunft des Sommers begangen wird. Hinzu mischen sich aus Urzeiten stammende Elemente, die die geheime Kraft der Natur und die Magie des Windes beschwören und sie mit Gefühlen wie Liebe und Romantik verbinden. In der Johannisnacht, wenn die Dämmerung nur zwei Stunden lang ist, erringt der Tag einen Sieg über die Nacht. In dieser Nacht schläft niemand.

Mit Johanni verbinden sich verschiedene Traditionen und Aktivitäten. So wurde in alten Zeiten das Holz für das Johannisfeuer schon lange im Voraus gesammelt und auf einem hohen und gut sichtbaren Punkt aufgetürmt. Oft waren dies Hügel oder Schaukelplätze, die dann mit Birkenzweigen ausgeschmückt wurden. Die Mädchen sammelten Blumen und banden daraus Kränze, die sie auf ihre Köpfe setzten. Sie begaben sich in der Nacht auf die Suche nach dem blühenden Farn, der ihnen Reichtum und besondere Fähigkeiten bringen sollte. Diejenigen, die ihn nicht fanden, sammelten stattdessen Glühwürmchen (im Estnischen heißen sie „Johannis-Würmchen“) und brachten sie ins eigene Heim, wo sie für häusliches Glück sorgen sollten. Besonders beliebt war das Sammeln von neun verschiedenen blühenden Pflanzen in der Johannisnacht, die – zum Strauß geflochten und unter das Kopfkissen gelegt – den Mädchen im Traum die Liebe des Lebens erscheinen lassen sollten.

Um das Johannisfeuer wird seit Jahrhunderten getanzt. Es wird gesungen und auch Musikanten dürfen auf einer richtigen Mittsommersfeier nicht fehlen. Später sind weitere vergnügliche Traditionen hinzugekommen. So finden zu Johanni Sportwettbewerbe und Gesellschaftsspiele statt. Das Johannisbier und das Kali, ein typisches Malzgetränk, werden in jedem Falle während Feierlichkeiten getrunken. Auf der Insel Saaremaa wird beides noch zuhause gebraut.

Johanni ist eines der archaischsten und schönsten Feste des Nordens. Zu dieser Zeit lohnt es sich unbedingt, nach Estland zu kommen, um Mittsommer mit seinen weißen Nächten zusammen mit den Einheimischen zu feiern. Dies möglichst auf dem Lande, denn die großen Städte sind zu dieser Zeit menschenleer. Große Johannisfeiern gibt es aber auch in Tallinn, so zum Beispiel im Freilichtmuseum Rocca al Mare oder im Freilichtmuseum von Viimsi, ebenso aber an jedem anderen Ort Estlands.