Obwohl in dieser Hinsicht noch nicht weit bekannt, ist Estland ein ideales Land für das Beobachten eines der spektakulärsten Naturshows – massenhafte Vogelwanderung.
Die meisten Enthusiasten für Vögel (bzw. Vogelbeobachtung) reisen an, um die Millionen Vögel mitzuerleben, die über Estland hinwegziehen.
Die Vogelfauna Estlands umfasst etwa 340 natürliche Vogelarten: über 200 sind nistende Vögel, etwa 30 sind Zugvögel und etwa 70 sind zufällige Besucher. Viele Vögel sind auf den kleinen Inseln zu finden, wo es pro qm bis zu 13.000 nistende Paare gibt. Die beliebtesten Lebensräume der Vögel auf dem Festland sind unter anderem Laubwälder, Misch-Hainwälder, Schilf, Nadelwälder, Überflutungsgebiete und Sümpfe oder Sumpfwälder.
Jedes Frühjahr und jeden Herbst können Esten und die glücklichen Vogelbeobachter, die zu Besuch sind, Vögel in Hülle und Fülle im westlichen Teil Estlands miterleben, da hier die ostatlantische Wanderroute übers Land geht. Schätzungen zufolge kann sich die Anzahl auf bis zu 50 Millionen belaufen. Die „häufigsten Flieger“ sind Gänse, Ringelgänse, Schwäne, Enten und Lappentaucher. 1999 hielt Estland den Europarekord für die höchste Anzahl an Arten, die an einem Tag beobachtet wurden – es waren unglaubliche 189.
Zur Förderung der Vogelbeobachtung stehen mehrere Dutzend öffentliche Aussichtstürme zur Verfügung. Die Bucht Matsalu und die Insel Saaremaa sind bei den Zugvögeln am beliebtesten. Insgesamt sind elf Plätze in Estland auf die Ramsar-Liste der international bedeutenden Vogelgebiete aufgenommen worden.
Die Frühjahrswanderung beginnt gewöhnlich zur Zeit der Eisschmelze (gegen Ende März) und erreicht ihren Höhepunkt im April und Mai. Nach einem ruhigen Sommer und Herbst beginnt die Wanderung von Gänsen und Kranichen Mitte August und endet Ende September.