Die Ausstellung „gateways. Kunst und vernetzte Kultur“, die das Goethe-Institut Estland in Kooperation mit dem Kumu Art Museum noch bis zum 25. September 2011 in Tallinn zeigt, beschäftigt sich mit den veränderten Bedingungen einer zunehmend medial vermittelten Welt. Ausgestellt werden die Werke von 27 europäischen Medienkünstlern, die in Arbeiten zwischen Videoprojektion und Soundspaziergang die sozialen und kulturellen Folgen der Vernetzung in den Blick nehmen. Die Arbeiten thematisieren Zugänge (“gateways“) zu Handlungs- und Erlebnisräumen unserer digital vernetzten Kultur.

Highlight während des Kulturhauptstadtprogramms 2011 in Tallinn

Die Ausstellung ist nicht nur eine der größten Medienkunst-Ausstellungen dieses Jahres in Europa, sondern auch ein Höhepunkt im Rahmen des Kulturhauptstadtprogramms. Die Kuratorin Sabine Himmelsbach, Leiterin des Edith-Ruß-Hauses für Medienkunst in Oldenburg lud zu „gateways“ junge Künstlerinnen und Künstler aus ganz Europa ein, individuelle Zugänge zur zunehmenden Vernetzung und einer medial geprägten Lebenswelt zu finden. Die Ausstellung zeigt Medienkunst in einer Mischung aus spielerischen und interaktiven Elementen im Dialog mit der digitalen Welt und mit einem Schuss Didaktik. Der Aspekt der Vernetzung wird in der Ausstellung nicht nur in den Arbeiten reflektiert, sondern auch physisch erlebbar gemacht – und das auch mit Aktionen in der ganzen Sadt Tallinn. 

Digitale Kunst zum Anfassen

Von einigen Künstlern werden Aktionen, die im Netz stattfinden, als künstlerische Performance oder Installation in die Realwelt geholt. Beim Ausstellungsstück „Tallinn Wall“ werden zum Beispiel Statusmeldungen von Facebook und Twitter als Plakatausdruck eine Wand schmücken. „Get a pattern“ übersetzt Quellcodes in eine bildliche Darstellung und liefert so einzigartige Muster für die Besucher der Homepage. Mit dem „Astrid Mobile Phone“ im Foyer des Museums kann man tatsächlich auch telefonieren, allerdings nur mit vollem Körpereinsatz, denn das Gerät ist paradoxerweise 2,5 Meter hoch.

Das Außmaß des gespeicherten Wissens im Netz macht zum Beispiel der estnische Künstler Timo Toots in „Memopol-II“ transparent. Scannt man seine persönlichen Daten aus dem Personalausweis oder EU-Reisepass in diese „soziale Apparatur“ ein, so sucht die Apparatur in (inter-) nationalen Datenbanken und dem Internet nach Informationen über den jeweiligen Inhaber. Wann immer man schließlich im Internet surft, mit einer EC-Karte bezahlt oder sich mit Ausweispapieren legitimiert, hinterlässt man digitale Spuren. Und diese Spuren legt Memopol-II offen: Informationen über Einkommen, Krankheiten können genau so dazu gehören wie globale Freundschaftsvernetzungen oder private Fotos.

Das Kumu Art Museum – ein Gesamtkunstwerk

Der im Jahr 2006 eingeweihte neue Hauptbau des Art Museum of Estonia, das Kunstmuseum Kumu, ist eines der wichtigsten Museen Estlands. Es beherbergt estnische Kunst und zeitgenössische Kunstausstellungen genauso wie klassische Werke. Der Gebäudekomplex wurde nach fast zehn Jahren Planung und Konstruktion fertig gestellt und gilt als Meisterwerk moderner Architektur. Gebaut entlang einer Kalksteinklippe, integriert das Museum Form und Material der Umgebung. Zwei Jahre nach der Eröffnung wurde es bereits von einer unabhängigen Jury des European Museum Forum (EMF) mit dem Titel „European Museum of the Year“ (EMYA) geehrt. Die Auszeichnung wird jährlich an ein neu gebautes oder umgestaltetes Museum in Europa vergeben.

Das Kumu Art Museum ist auch ein Ort für Kulturveranstaltungen, Filmvorführungen, Theater- und Konzertaufführungen sowie Konferenzen. Besonders beliebt sind die jährlich stattfindenden Kumu-Nights, wenn das ganze Museum eine große Festival-Nacht feiert, mit Rooftop-Cinema, Bars und mit Konzerten estnischer und international erfolgreicher Bands.

Weitere Informationen zu Ausstellung:

http://www.tallinn2011.ee/931/gateways-kunst-und-vernetzte-kultur?event=1041 

Die Homepage des estnischen Kunstmuseums mit den Öffnungszeiten und weiteren Informationen finden Sie hier: http://www.ekm.ee/eng/ekm.php 

oder beim Fremdenverkehrsamt von Tallinn: http://www.tourism.tallinn.ee/ger/fpage/besichtigen/museen#!p_175253

Infos zu den Kumu-Nights unter: http://www.tallinn2011.ee/762/kumu-night?event=246