Estnische Sauna und die damit verbundenen Traditionen

Quelle: Mart Vares

Estnische Sauna und die damit verbundenen Traditionen

Obwohl es aus klimatischen Gründern logisch wäre, hauptsächlich im Winter in die Sauna zu gehen, machen Esten das zu jeder Jahreszeit. Und zwar besonders gerne samstags; da sauniert ganz Estland.

Traditionell finden Sauna-Abende an Donnerstagen, an Samstagen und am Vorabend größerer Feste statt – beispielsweise am 24. Dezember, vor dem Weihnachtstag, und am 23. Juni, zum Mittsommernachtsfest, das den Johannitag einläutet. Gelegenheiten für einen Saunagang findet man allerdings immer: Familienfeiern und Jubiläen sind da genau so geeignet wie der Silvesterabend. Und die Tradition ist auch bei der Jugend beliebt: Sauna-Partys sind weit verbreitet.

Ein typischer estnischer Saunaabend

Donnerstag und Samstag sind die magischen Tage der estnischen Woche. Man nimmt gemeinsam ein Schwitzbad, singt und plaudert.

Foto: Visit Estonia


Traditionelle Saunaprozeduren

Die estnische Sauna besteht oft aus einer kleinen Holzhütte, die in einigem Abstand zum Haupthaus auf dem Grundstück steht. Manchmal findet man Saunen auch im Kellergeschoss oder in einem direkt ans Wohnhaus angrenzenden Nebenraum. Das Saunieren benötigt Vorbereitung, denn sie muss vorgeheizt werden. Je nach Sauna-Typ dauert das zwei bis vier Stunden.

Das Wichtigste beim Saunagang ist der Aufguss (Estnisch: „leil"), der das Schwitzen anregt. Während der Schwitzzeit kann man sich mit so genannten Saunaquirlen (Estnisch: „viht" bzw. „vihat" im Plural) schlagen. Die Wirkung ist ähnlich wie diejenige einer Massage.

Saunahäuser werden gerne am Meer oder neben einem kleinen See gebaut, damit man sich zwischen den Aufgüssen abkühlen kann. Das regt den Kreislauf an.

Die Sauna-Tradition ist eine gute Antwort auf das estnische Klima. Sie stärkt die Abwehrkräfte und trägt so zur Vermeidung von Erkältungskrankheiten bei.

Ein Sauna-Quirl liegt auf einem Sauna-Eimer

Mit den so genannten Quirlen, die aus blattbehangenen Zweigen hergestellt werden, kann man sich beim Saunagang schlagen. Das regt die Durchblutung an.

Foto: Visit Estonia

Laut einem alten estnischen Volksglauben darf man in der Sauna niemals streiten und auch keine Streits klären, denn das würde die guten Geister, die so etwas nicht kennen, sehr irritieren.

Die Sauna ist für Esten tatsächlich omnipräsent und spielte lange Zeit eine wichtige Rolle – im wahrsten Sinn von der Wiege bis zur Bahre: Hier wurden nämlich früher Babies zur Welt gebracht und auch Tote gewaschen.

Rauchsauna

Im Südosten Estlands kann man noch die eine oder andere aktive Rauchsauna finden. Sie gelten als schützenswerter Teil des UNESCO Weltkulturerbes. Man absolviert dort, wie üblich, Saunagänge; der Unterschied zu einer normalen Sauna besteht in der Konstruktion und in der Prozedur des Anheizens, denn die Rauchsauna-Häuser haben keinen Schornstein und die Sache dauert deshalb länger.

Esten sind sehr pragmatisch. Wenn auf dem Hof schon eine Sauna steht, so dachten sie sich, lässt die sich doch auch noch anders verwenden. In Südestland kann man bis heute die daraus entstandene Spezialität kaufen: In der Sauna geräucherten Schinken.

Zuletzt aktualisiert: 15.10.2018

Thema: Die Inseln, Aktivitäten & Abenteuer, Gesundheit & Wohlbefinden

Lass dich inspirieren