Haapsalu und der Landkreis Lääne: die kulinarische Region 2020

Quelle: Toomas Tuul, Visit Estonia

Haapsalu und der Landkreis Lääne: die kulinarische Region 2020

Autor:

Annika Mändla

Autor:

Kaja Karlson

Haapsalu ist ein historischer Kurort, gekennzeichnet durch die spitzenartige  Architektur, spannende Geschichte und einen vielfältigen kulturellen Angebot. Darüber hinaus spielt bereits seit dem 19. Jahrhundert in Haapsalu die Kaffeehauskultur eine zentrale Rolle. Die Stadt ist vom Meer und der grünen Natur umgeben, die schon Jahrhunderte zur Nahrung der Menschen  gesorgt hat. Die hiesige gastronomische Kultur entwickelt sich schnell und bietet für alle spannende Geschmäcker an. Zugleich sind Haapsalu und Läänemaa diejenige Orte, die in Estland zur kulinarischen Gegend des Jahres 2020 gewählt worden sind. Was kann man hier finden?

In Haapsalu finden Sie eine Altstadt mit einer Vielzahl von kleinen Kaffeehäusern vor, hier fließt die Zeit ruhig. Die Sommerveranstaltungen erwecken die Stadt  zum Leben - sei es guter italienischer Wein, Jazz, amerikanisches Auto oder Yoga - all dies wird immer von den Geschmäckern der lokalen Köche begleitet. Jedes Café ist einzigartig - auch dies trägt zur Vielfalt bei und vermittelt einen Eindruck von der mehr als hundertjährigen Cafékultur und von einer  Zeit, als die Damen mit Sonnenschirmen auf der Promenade spazierten und das gesellige Leben rund um Haapsalu Kursaal florierte. Heute wird die magische Ruhe von Haapsalu von denjenigen hochgeschätzt, die die Hektik der Stadt hinter sich lassen wollen und  Zeit mit der Familie oder im Kreise der Freunde verbringen möchten. Die Spaziergänge und genussvolle Abende in den Cafés oder  auf einem Picknick spielen bei diesen  großartigen Momenten und der Freude am Erkennen der bereits vertraut gewordener Geschmäcke eine wichtige Rolle.


 Clever von der Natur auf den Teller

Ein Drittel des Landkreises Läänemaa steht unter Schutz, damit gehört er zu den am meisten geschützten Gebieten in Estland. Hochmoor Marimetsa, Nationalpark Matsalu, Erholungsgebiet und Landschaftsschutzgebiet Nõva - im Rhythmus der Jahreszeiten agieren hier zahlreiche Kleinunternehmen, deren Produkte sowohl die lokale Bevölkerung genießt, die  aber auch an anderen Orten abgesetzt werden. Manchmal ist das Essen vom Bauernhof so gewöhnlich, dass man diesem  in der Betriebsamkeit des Alltags keine Aufmerksamkeit widmet. Wer hochwertige und ökologisch saubere Rohstoffe hochschätzt, kann diese bei Handelstreffen oder in ausgewählten Restaurants  direkt vom Produzenten erwerben. Wenn Sie im August hier aufkreuzen, sehen Sie goldene Felder mit Getreide, woraus Mehl und andere Produkte hergestellt werden. Die Bodenfruchtbarkeit ist hier gering und daher haben die hiesigen Menschen gelernt, im Wald, im Meer und auf den Wiesen nach Ergänzung der Nahrung zu finden. Daher werden hier bei der Zubereitung des Essens auch Wild, Küstenfische, Waldprodukte und essbare Pflanzen aus der Natur wie schwarzer Holunder, Brombeeren und echtes Mädesüß verwendet.

Läänemaa ist darüber hinaus für seine einzigartige Kultur der schwedischen Minderheit, der sogenannten Küstenschweden, bekannt, die einen starken Einfluss auf die Ernährung und die Lebensgewohnheiten dieser Gegend hat. Hier wohnten die estnischen und schwedischen Bauern dicht beieinander - zwei Kulturen, unterschiedliche Traditionen. Viele Orte auf den Inseln Vormsi, Osmussaare und in der Gegend Noarootsi haben neben den estnischen Namen auch schwedische Namen; die Spuren der küstenschwedischen Essenstraditionen sind auch heute in der lokalen Küche sowie in den Sammlungen des Museums der Küstenschweden (schwedisch Aibolands museum) zu finden. Seither sind mehrere Generationen und etliche Änderungen der Ernährungstrends vergangen, doch wenn Sie in dieser Region sind, sollten Sie unbedingt Fischcafé in Dirham und Osmussaar besuchen. Aus dieser Region stammt auch das erste umfangreichere Kochbuch auf Estnisch, nämlich „Köki ja Kokka Ramat“, erschienen 1781, das der Pastor der Katharinenkirche in Noarootsi, Johann Lithander, aus dem Schwedischen ins Estnische übersetzt hat.

Wie auch in anderen Gegenden in Estland, war auch hier das Roggenbrot das Hauptnahrungsmittel der Bauern. Charakteristisch für Läänemaa war eine spezielle Kochwassermethode bei der Zubereitung des Roggenbrots, dadurch wurde der Geschmack intensiver und der Brotlaib konnte länger aufbewahrt werden. Es wurde hier niemals eine ganze Brotscheibe geschnitten, sondern immer nur zur Hälfte davon, so dass einer das Teil mit der oberen Kruste und der andere das Teil mit der unteren Kruste bekam.

An der Küste wurde während der Fischfangsaison viel Fisch aufgetischt. Auch geräucherter Fleisch spielte eine wichtige Rolle, vor allem bei den  Küstenschweden. Auch die Verwendung von Rindfleisch war üblich. Der Brauch der Zubereitung von Blutwurst kam hier nicht an,  hier wurde vielmehr Grützwurst gemacht. Das estnische Nationalessen, saurer Haferbrei, ist in der Region Noarootsi gänzlich unbekannt, da Hafer hier nicht angebaut wurde. Ebenfalls war der unter den Esten bekannte nachgegorene oder gekochte Presskäse (am besten bekannt ist sõir im südöstlichen Estland)  hier unbekannt. Im Läänemaa kam dieses Wissen nicht an, doch die schwedischen Bauern haben aus Milch  „wirklichen Käse“, Labkäse hergestellt. An Feiertagen wurde Fleischknödelsuppe angeboten, auch Honigkuchen wird erwähnt. Zum Essen wurde Bier oder Kwas getrunken.

Empfehlungen von White Guide Nordic

Das Vademecum für nordische Gaststätten White Guide empfiehlt im Jahr 2020 fünf Gaststätten im Läänemaa zu besuchen:

  • Fischcafé Dirhami kalakohvik wird mit den Wörtern „gemütliche Geschmäcker und Meer“ charakterisiert - frischer Fisch ist hier unverzichtbar! Neben dem Café gibt es auch den Dirham-Fisch-Gourmet, von dem aus hochwertige Fischprodukte an Kunden in ganz Estland gesandt werden.
  • Auf der Speisekarte des Grand Holm Marina steht seit jeher lokaler Fisch, der stets interessant und lecker zubereitet ist. Der  Barista des Restaurants, Paap Pihelgas, ist einer der besten Baristas in Estland, und deshalb lohnt es sich, auch für eine Tasse Kaffee, Limonade aus eigener Herstellung oder einen interessanten Cocktail hierher zu kommen.
  • Das Café Hapsal Dietrich hat eine beeindruckende Vergangenheit, aber die Gründer des neuen Cafés Hapsal Dietrich im Jahr 2013 waren zwei Familien, deren Leidenschaft und Hobby darin besteht, zu kochen, zu genießen, kleine Cafés zu lieben und die Geschichte von Haapsalu, die alte Architektur und die estnischen Möbel der Vorkriegszeit zu wertschätzen.
  • Restaurant Kärme Küülik. Die Pizzas bekommen ihre braunen Ränder in einem Holzofen, der speziell aus Italien gebracht wurde, und die Nudeln, die in ihrer eigenen Nudelmaschine hergestellt werden, sind so viel besser, als diejenige, die im Laden gekauft werden können. Das italienische Essen, das Kärme Küülik anbietet, enthält  viele lokale Zutaten und Produkte von Kleinbauern.
  • Purtse Gastro ist ein Gastropub mit gemütlichem Interieur und einer angenehmen Terrasse, deren Stars erstklassiges Essen und handgemachtes  schäumendes Purtse-Bier ist, doch darüber hinaus werden hier erfrischende Cocktails und Schaumweine angeboten.

Die Kaffeehauskultur von Haapsalu können Sie auch in den Cafés Müüriääre und Wiigi kohvik genießen. Gutes estnisches lokales Essen finden Sie auch im Café Altmõisa, in der Kneipe Talumehe kõrts, im Restaurant des Feriendorfes Roosta oder im Taksi Pub.

Erleben Sie die Herstellung lokaler Rohstoffe und deren Verkostung auf dem Bio-Bauernhof Tammejuure, dem berühmtesten Cannabisfarm in Estland, und lernen Sie die moderne Kultur der Herstellung von Craft-Bier in der Brauerei KOLK kennen.

Zuletzt aktualisiert: 14.05.2020

Thema: Westestland, Essen, Trinken & Nachtleben

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