Estlands Küstenlinie mit wunderschönen Sandstränden

Thema: Die Inseln

Zuletzt aktualisiert21.09.2016

Estlands Küstenlinie mit wunderschönen Sandstränden

Quelle: Sven Zacek


Autor:

Gerd Krauskopf

In Estland - im Süden Lettland und im Osten Russland - verschmelzen Tradition und Moderne. Da warten in frischer Luft fast 4000 Kilometer Küstenlinie mit wunderschönen, einsamen Sandstränden, über 1500 Inseln und tiefe Wälder auf den Gast. Neben der wunderschönen Altstadt von Tallin – dem UNESCO Weltkulturerbe – bietet das nördlichste europäische Land im Baltikum an der türkisblauen Ostsee entspannten Urlaub in individueller, ruhiger Atmosphäre.

Gastronomie auf höchstem Niveau auf einem Bauernhof

Locker und entspannt hält Ants Smalltalk mit seinen Gästen. Dabei hat der Koch bereits morgens um halb sieben an seinem Herd gestanden, um all die Köstlichkeiten für seine mittäglichen Gäste vorzubereiten. Jetzt schwärmt er von den Vitaminen seiner saisonalen Produkte, die er von seinen Nachbarhöfen täglich frisch bezieht, was seine Gäste mit großer Zustimmung beim Probieren der zuckersüßen Erdbeeren und der aromatischen Tomaten quittieren. Wie er dann später beim Kredenzen seines Fünfgangmenüs die Bouillon Suppe - die zehn Stunden lang auf zehn Prozent reduziert wurde - aus einer Gießkanne mit langem Stil in den Suppenteller mit den vorher aufgetragenen Gartenfrüchten eingießt, da passt das perfekt zum Outfit seiner kleinen Gartenscheune, in dem die Gäste Platz genommen haben. Auch finden sie hier nur einen großen und einen kleinen Tisch am weit geöffneten Scheunentor vor, was zu langen Wartezeiten bei der Reservierung führt. Hat es sich doch im 65 Kilometer entfernten Tallinn herumgesprochen, dass es auf dem flachen Land in dem kleinen „Dreiseelendorf" Kuimetsa einen hervorragenden Koch gibt, der in seiner Bauernhofgastronomie „Ööbiku" auf höchstem Niveau kocht.

Bauernhofgastronomie 'Ööbiku'

Autor: Gerd Krauskopf

Weiterfahrt an die Westküste Estlands zum Ostseestrand

Nach solch einem Gaumenschmaus zieht es die Gäste an die unberührte westliche Küste der Bucht Keibu Laht bei Nõva, an der selbst jetzt in der Hochsaison jeder Badegast gute 500 Meter feinsten Sandstrand mit Dünenlandschaft für sich hat. Dabei ist Estland im Besitz von 4000 Küstenkilometern bei 1530 Inseln. Hier an diesem Ostseestrand haben sie von „singendem" Sand gehört und wollen das nun auch selber ausprobieren. Dabei stampft die lustige Damengruppe mit den Füßen, was sich anhört, als liefen sie über Schneematsch, der unter den Schuhen quietscht. Da sind sie aber auch verwundert über eine mächtige Schneise, die inmitten dieses riesigen küstennahen Kiefernwaldes geschlagen ist, in der noch heute Elche, Braunbären und Wölfe leben. Und die, so erfahren sie von der örtlichen Reiseleiterin Kaida Silver-Schöbe, hat die damalige Sowjetunion geschlagen, um Flüchtlinge daran zu hindern, hinüber ins auf der anderen Seite des Finnischen Meerbusens gelegene Finnland zu flüchten.

'Singende' Sand 

Unberührte westliche Küste der Bucht Keibu Laht bei Nõva

Autor: Gerd Krauskopf

Die Kurstadt Haapsalu

Weiter an der Westküste entlang, die von dichten Wäldern und Mooren gesäumt ist, befindet sich die Kurstadt Haapsalu, die wegen ihrer vielen Kanäle auch das „Venedig des Nordens" genannt wird. Die heilende Wirkung des Schlamms von Haapsalu zog bereits auch schon Peter den Großen an, der hier den längsten überdachten Bahnsteig Europas bauen ließ, an dem die Gäste auf den heute noch verbliebenen Gleisen alte historische Lokomotiven besichtigen. Da soll aber auch in einem dieser wunderschönen Holzhäuser Tschaikowski seine 6. Sinfonie geschrieben haben und in der mächtigen Bischofsburg soll der Domherr der Legende nach eine junge Frau als Chorknabe verkleidet eingeschmuggelt haben. Als das aufflog, soll man sie hier im Turm bei lebendigem Leibe eingemauert haben. Und immer bei Vollmond im August erscheint sie im Fenster der Taufkapelle. 

Ganz anders spektakulär sind die gehäkelten Kleider, die Helin Pöldve im Geschäft Käsitööselts in wochenlanger Arbeit mit allerfeinstem Zwirn erstellt. So zeigt sie den begeisterten weiblichen Gästen gern das Kleid, das sie für Königin Silvia gearbeitet hat. „Vier Wochen habe ich dafür gebraucht," schwärmt sie. Und es ist für 800 Euro an die Königin übergeben worden.


Auf zur Insel Hiiumaa

Dann machen sich die Gäste auf zur Insel Hiiumaa, die vor 455 Millionen Jahren infolge einer Meteoritenexplosion entstanden und somit eine der ältesten Inseln der Welt ist. Mit einer mächtigen Fähre erreichen sie sie in eineinhalb Stunden. Ein Spontanbesuch in einer dieser wunderschönen kleinen Kirchen lässt sie aufhorchen: da klingt wunderschöne Gitarrenmusik nach außen. Wie sie dann andächtig dieses älteste, kleine Gotteshaus der Insel mit Namen „Pühalepa" - „heilige Erle" - aus dem 18. Jahrhundert betreten und sich leise in eine dieser Kirchenbänke setzen, da üben der Lutheraner Urmas Nagel und der russisch orthodoxe Sakarias Leppik ihre Lieder für das große Musikfestival „Hiiu Folk", das genau an diesem Wochenende stattfindet.

Tahkuna Leuchtturm mit trauriger Vergangenheit

Schnaubend steigen die Gäste 40 Meter hoch über die engen Wendeltreppen des Tahkuna Leuchtturms an der Nordspitze der Insel Hiiumaas. Oben angekommen erfahren sie, dass ein russischer Soldat beim Anblick deutscher Soldaten aus Angst von hier oben hinunter gesprungen sein soll, worauf er später den Status eines russischen Kriegshelden erlangte. Da erinnert aber auch weit unten ein Denkmal an ein weiteres trauriges Kapitel der Geschichte. Es ist den Kindern unter den Opfern der Schiffskatastrophe der Estonia gewidmet.

Tahkuna Leuchtturm - Hiiumaa

Autor: Gerd Krauskopf

Das Musikfestival „Hiiu Folk"

Am späten Abend erinnern sich die Gäste an das Musikfestival „Hiiu Folk" und fahren nach Kassari im Süden der Insel, wo sie den Tag ausklingen lassen wollen. So kommen sie genau richtig, wie die Band „Untsakad" zum estnischen Volkstanz „Kaerajaan" aufspielt und die Esten wieder einmal beweisen können, dass sie selbst auf einem abschüssigen Rasen eine Tanznation sind.

Musikfestival 'Hiiu Folk' in Hiiumaa

Band 'Untsakad'

Autor: Gerd Krauskopf

Zuletzt aktualisiert 21.09.2016

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