Winterschwimmen – Vitamin estnischer Art

Quelle: Rasmus Jurkatam

Winterschwimmen – Vitamin estnischer Art

Quelle: Rasmus Jurkatam

Autor:

Kristel Kärner

Winterschwimmen ist unter den Esten zu einer immer beliebteren Wintersportart geworden. Ist es deshalb, weil die Winter in Estland nicht mehr nordländisch schneereich sind oder weil man Abwechslung zum Skilaufen braucht?

In Estland erwärmt sich die Wassertemperatur auch in den Sommermonaten nicht so leicht über 20 Grad. Somit kann insbesondere für unsere Gäste auch das sommerliche Schwimmen als Winterbaden erscheinen. Das beste nordländische Schwimmerlebnis bekommt man jedoch vo November bis März, wenn das Wasser etwa 1 Grad warm ist, die Gewässer eine Eisdecke haben und die Umgebung schneeweiß ist.

Winterschwimmen ist kein Winterbaden. Baden ist etwas rasches und impulsives. Oft springen wir aus der heißen Sauna direkt in ein Eisloch und von dort ebenso schnell auf die Schwitzbank zurück. Dies hat seinen Charme und Lustigkeit und vor allem lang bewährte Saunatraditionen. Winterschwimmen ist aber Ausdauersport, wo vor allem der Geist stark wird. Jedes Mal, wenn Du durch den Schnee zum ins Eis gehackten freien Wasser geschritten bist, jedes Mal, wenn Du ruhig und leise ins Wasser gestiegen bist und Deinen Körper daran erinnert hast, dass ruhiges Atmen wichtig ist, bist Du der Sieger. Sieger iüber dich selbst!


Photo by: Rasmus Jurkatam

Und jedes weitere Mal etwas länger, etwas weiter – gleitest ins eisige Wasser, das sich heiß anfühlt, schiebst vor dir die Eisschollen weg und fühlst, wie zielstrebige Ruhe im Körper ankommt. Du weißt, dass der Mensch nicht dazu geschaffen ist, im eisigen Wasser zu überleben, jedoch kannst Du die Grenzen in dir verschieben. Du spürst gar kein Bedürfnis, ans Ufer zu flüchten, sondern genießt das Gefühl, wenn die Eisigkeit zart an Deiner Haut zu kneifen beginnt. Atmest ruhig ein und aus, schaust die kahlen Schneeflächen um Dich herum, hörst der Winterstille zu.

Aus dem Wasser steigst Du mit stärkerem Geist und Körper denn je heraus. Das kalte Wasser gibt dem Körper einen unerwarteten Energieschub. Die nächsten paar Tage ist kein Problem unlösbar und kein Berg bleibt unerobert. Du bist entschiedener und strahlender. Recht bald wirst Du bemerken, dass der übliche winterliche Schnupfen weg ist, beim Warten auf den Bus es nicht mehr kalt ist und Erkältungskrankheiten Dich nicht ins Bett zwingen. Ist es vielleicht Grippeimpfstoff und Vitamin estnischer Art?


Photo by: Rasmus Jurkatam

Im Jahr 2018 wird Estland die Weltmeisterschaft im Winterschwimmen organisieren. Somit lohnt es sich, bereits jetzt mit der Vorbereitung zu beginnen. Oder stell das Schwimmen im Sommer einfach nicht ein – setze in demselben Geist rund ums Jahr fort! Winterschwimmclubs gibt es in jeder größeren Stadt, leidenschaftliche Enthusiasten findest du aber überall in Estland. Um das eisige Schwimmen auszuprobieren, lohnt es sich, Kontakt mit einem aktiven Club aufzunehmen. Über Clubs können die Tourismusinformationsstellen in den Landkreisen Auskunft geben. Alle sind willkommen!

Wenn Du die sportliche Seite des Winterschwimmens erleben möchtest, komm, um an den Wettkämpfen teilzunehmen oder einfach zuzuschauen. Das jährliche Winterbadefestival Pirita Open 2017, das in diesem Jahr vom 3.-4. März in Admiraliteedi Bassein des Hafens Tallinn stattfindet, ist internationaler und mit zahlreicheren Teilnehmern.

Diesen Beitrag habe ich mit von Kälte glühenden Fingern geschrieben, weil ich gerade heute meine persönliche Durchhaltefähigkeit auf fünf Minuten verschoben habe. Ich fühle mich hervorragend!

Zuletzt aktualisiert: 09.05.2017

Thema: Gesundheit und Wohlbefinden

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