Abstecher abseits der großen Straßen - Teil 2

Quelle: Kaspar Orasmäe, Visit Estonia

Abstecher abseits der großen Straßen - Teil 2

Von Tartu nach Pärnu, von Tartu nach Narwa und von Pärnu nach Haapsalu


Mehrere große Landstraßen durchziehen Estland. Sie verbinden die Hauptstadt Tallinn mit den weiteren größeren estnischen Städten – und diese wiederum untereinander. Im zweiten Teil des Beitrages fahren wir von Tartu ins Sommerseebad Pärnu und nach Narwa. Und dann von Pärnu aus nach Haapsalu. Unterwegs – das ist der Witz an der Sache – verlassen wir die Hauptrouten und machen kleine Abstecher, denn es gibt wieder viel zu entdecken.

Im ersten Teil dieses Beitrages sind wir von Tallinn aus nach überall gefahren.



Von Tartu nach Pärnu (L92/L6/L5)

Wir verlassen Tartu auf der L92 gen Westen. Nach etwa 20 Minuten eröffnet sich links und rechts der Landstraße das Kavilda Urstromtal – einer der schönsten Naturplätze im Kreis Tartu. Hier kann man einen ausgedehnten Spaziergang unternehmen.

Anschließend geht es weiter nach Viljandi. Da es hier einiges zu sehen gibt: planen Sie eine längere Pause ein. Zunächst sind da die Ruinen der Ordensburg und der Schlosspark. Hier findet auch jeweils im Juli das große Viljandi-Folk-Festival statt – mit Blick auf den See. Ganz in der Nähe und begehenswert: die Hängebrücke. Am Randes des Schlossparkes findet sich ein wunderbares kleines Museum für naive und alternative Kunst, das Kondas-Zentrum. Paul Kondas ist der bekannteste naive Künstler Estlands. Im Stadtzentrum können Sie sich im hübschen Café Fellin für die Weiterfahrt stärken.

Unsere nächste Station liegt etwa 20 Autominuten westlich von Viljandi und fast direkt an der L92. Es ist das Gutshaus Groß-Köppo (Suure-Kõpu mõis auf Estnisch). Das Herrenhaus im spätklassizistischen Stil beherbergt heute die örtliche Schule, kann aber dennoch besichtigt werden.

Jetzt müssen Sie sich entscheiden: Wenn Sie die L92 bis zum Ende fahren und dann die L6 nach Pärnu nehmen, liegt unsere nächste Empfehlung für einen Abstecher auf der Strecke. Es handelt sich um das wunderschön gelegene Weingut Allikukivi, das vor allem für seine diversen Beerenweine bekannt ist. Die kann man hier verkosten und natürlich auch kaufen.

Falls Sie die nördliche Route – von Kõpu via Tipu und Riisa auf kleinen Sträßchen durch den Wald – bevorzugen, gelangen Sie auf die L5, wo unser alternatives letztes Abstecher-Ziel auf dem Weg nach Pärnu wartet: die Tori-Hölle. Um diese Schlucht ranken sich etliche Volkslegenden. Sie ist im Laufe der Zeit mehrfach eingestürzt und heute nicht mehr begehbar. Ein Halt lohnt sich aber dennoch; die Lage am Fluss ist bezaubernd.


Von Tartu nach Jõhvi (und weiter nach Narwa – L3/E264)


Noch bevor wir überhaupt auf die europäische Fernstraße E264 Richtung Narwa bzw. Jõhvi fahren, machen wir gleich den ersten Abstecher. Wir verlassen die estnische Kulturhauptstadt Tartu nämlich gen Norden auf der L39 und begeben uns in knapp 20 Minuten nach Äksi, denn hier gibt es zwei Stationen für die ganze Familie – insbesondere ihre Kinder werden sich freuen.

In Äksi selbst wartet das Eiszeit-Zentrum auf Ihren Besuch. Hier kann man u.a lebensgroße Modelle urzeitlicher Tiere bestaunen. Nur wenige Kilometer weiter gibt es dann echte Tiere. Der Tierpark von Elistvere beherbergt Füchse, Rehe, Luchse, Wildschweine, Bisons, einen Elch und sogar einen ziemlich großen Bären. Man kann außerdem einen Naturlehrpfad bewandern und Vögel beobachten.

Von Elistvere geht es nun aber auf die E264 und dann zügig an den Peipussee. In Mustvee gilt es, das Museum der Altgläubigen zu besichtigen. Die Landstraße führt anschließend weiter am Nordufer des Sees entlang zu unseren nächsten beiden Stationen.

Wir machen Halt am Leuchtturm von Rannapungerja. Von der kleinen Plattform auf seinem Sockel hat man einen schönen Blick über den riesigen Peipussee und den Strand von Kauksi. Das passt gut, denn Letzterer ist bereits unser nächstes Ziel. Man kann hier wunderbar baden, in der Sonne liegen oder ein kleines Picknick mit Seeblick veranstalten. Aber essen Sie nicht zu viel, denn es gibt auf der Strecke noch eine gute Gelegenheit für ein leckeres Mahl.

Wir verlassen den Peipussee und fahren auf unserer Landstraße weiter Richtung Jõhvi. In Höhe des Dorfes Väike-Pungerja biegen wir links auf eine schmale Schotterpiste ab, die uns zum Hochmoor Seli leitet. Hier gibt es einen schönen Wanderweg durchs Moor und rund um den See. Ein bisschen Bewegung tut gut!

Zurück auf die Straße – der nächste und letzte Abstecher ist nicht weit. Die Geschichte des Gutshofes Mäetaguse reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. 14 Gebäude des Ensembles sind erhalten; das Herrenhaus stammt aus dem Jahr 1796. In der Remise des Gehöftes findet sich ein in jedem Sinn geschmackvolles Restaurant, in dem sie sich für die Weiterfahrt nach Narwa stärken können.



Von Pärnu nach Haapsalu – mitten durch die Walachei


Und jetzt machen wir eine Ausnahme von unserem eigentlichen Thema. Auf unserer Reise aus dem Seebad Pärnu ins Bilderbuch-Städtchen Haapsalu fahren wir nämlich erst gar nicht auf eine der großen Landstraßen, sondern schlagen uns von Anfang an quasi querfeldein durch.

Unsere erste Station liegt noch ganz in der Nähe des Ausgangsortes. Der Aussichtsturm von Valgeranna bietet einen wunderbaren Blick über die Pärnuer Bucht – und den sollte man zum Abschied aus der Sommerfrische schon wagen.

Anschließend fahren wir auf der L60 Richtung Lihula und biegen nach wenigen Kilometern rechts auf die L176 ab. Sie führt uns verlässlich zu einem ganz bezaubernden Ort, an dem wir unseren nächsten Halt machen – nämlich dem Schmetterlingshaus im Dörfchen Kiisamaa.

Von den zarten Geschöpfen berührt setzen wir die Fahrt zunächst auf der L60 fort, biegen dann jedoch links auf die L180 ab. Sie führt direkt zum Sumpfgebiet Oidrema-Tuhu. Und genau da wollen wir hin. Hier gibt es einen schönen Wanderweg, den man in etwa einer Stunde bewältigen kann.

In 20 Autominuten sind wir vom Tuhu-Moor aus im Örtchen Lihula. Hier bitte etwas Zeit einplanen, denn es gibt zwei interessante Besichtigungs-Stationen und etwas zu essen! Die Elisabeth-Kirche ist eigentlich uralt, wurde aber zweimal neu aufgebaut. Beim heutigen Sakralbau von 1876 handelt es sich also quasi um die dritte Generation, wobei einige Elemente aus den vorangegangenen Kirchen stammen. Das örtliche Museum residiert im alten und als solches ebenfalls sehenswerten Gutshof von Lihula. Hier sind archäologische Funde aus der Gegend ausgestellt. Nach so viel Kultur meldet sich der Magen. Wir fahren in die nahe gelegene Schenke Birgit und essen dort ein einfaches und preiswertes estnisches Mahl.

Der Verdauungsspaziergang findet anschließend im Nationalpark Matsalu statt. Von Lihula aus erreicht man ihn in guten 45 Minuten. Der Park wurde vor allem zum Schutz von Vögeln gegründet. Es gibt mehrere Wanderpfade und gleich sieben Vogelbeobachtungstürme. Man kann auch geführte Beobachtungstouren unternehmen. Der Nationalpark verfügt über ein Besucherzentrum mit einer naturkundlichen Dauerausstellung, das im renovierten Herrenhaus Penijõe untergebracht ist.

Jetzt müssen Sie sich nur noch durch den Wald nach Haapsalu schlängeln.







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