Der 24. Februar – die Geburt einer Nation

Quelle: Marek Kusmin Flickr

Der 24. Februar – die Geburt einer Nation

Vor rund 100 Jahren behaupteten die Esten sich im Zuge der Oktoberrevolution in langen Kämpfen gegen das russische Reich. Im Februar 1918 war es schließlich soweit: Estland hatte die Unabhängigkeit errungen. Der 24. Februar wird heute alljährlich als Nationalfeiertag begangen.


Der Traum von der Souveränität

Auch alle Jahrhunderte der Fremdherrschaft konnten das nationale Zusammengehörigkeitsgefühl der Esten nicht brechen. Das Ziel eines unabhängigen Staates mochte bisweilen in weiter Zukunft liegen, geriet aber niemals aus dem Blick und in Vergessenheit. 1918 schließlich wurde der Traum wahr.

Am 23. Februar 1918 wurde das Manifest für die estnischen Völker vom Balkon des Endla-Theaters in Pärnu verlesen; Estland wurde darin als souveräne Nation bezeichnete. Die Menschenmenge fing begeistert an die Nationalhymne Mu isamaa, mu õnn ja rõõm zu singen. Am darauffolgenden Tag, am 24. Februar, erreichte das Manifest auch Tallinn und wurde dort veröffentlicht. Dieser Moment ist die Geburtsstunde der Republik Estland.


Der erste Jahrestag der Unabhängigkeit

Feierlichkeiten auf dem Freiheitsplatz in Tallinn zum einjährigen Unabhängigkeitsjubiläum am 24. Februar 1919.

Foto: Wikimedia Commons


Wussten Sie, dass..?

... die estnische und finnische Nationalhymne die gleiche Melodie haben? Sie wurde von Fredrik Pacius komponiert. Der Text der estnischen Hymne wurde 1969 von Johann Voldemar Jannsen geschrieben. Der Titel bedeutet "Mein Vaterland, mein Glück und meine Freude ".

Jedes Jahr am 24. Februar wird der Tag der Unabhängigkeit mit Feuerwerk, Konzerten, einer Parade der Streitkräfte und dem Präsidentenempfang gefeiert. Kinder und Erwachsene können militärische Einheiten bewundern und sich auf die Musik des Orchesters freuen. Ein Höhepunkt ist das feierliche Hissen der Staatsflagge.


Foto: Guillaume Speurt, Visit Estonia


Der Unabhängigkeitstag im Jahr 2021

Aufgrund der Corona-Pandemie ist in diesem Jahr alles etwas anders. Eigentlich sollte der Empfang der Präsidentin Kersti Kaljulaid am 24. Februar in Tartu stattfinden – samt Händeschütteln und begleitet von einem Gala-Konzert mit großem Publikum. Das musste ebenso abgesagt werden wie das traditionelle Hissen der Nationalflagge auf dem Tallinner Domberg im Beisein der Bürger Tallinns und die große Militärparade zur Feier der estnischen Streitkräfte. Stattdessen sendet das estnische Fernsehen den ganzen Tag ein entsprechendes Programm zum Unabhängigkeitstag. Die Rede der Präsidentin und des Kommandanten der Streitkräfte sowie das Galakonzert können also in diesem Jahr nur vor dem TV-Gerät verfolgt werden.

Das estnische Fernsehen lädt alle Bürger außerdem dazu ein, die Nationalflagge diesmal landesweit bei Sonnenaufgang im Privaten zu hissen. Die natürlich trotzdem stattfindende Beflaggung des "Langen Hermann" auf dem Tallinner Domberg wird ebenfalls im Fernsehen übertragen.


Ein positiver Patriotismus

Die Verbundenheit als Nation ist in Estland eine Selbstverständlichkeit; jahrhundertelange Unterdrückung schweißt zusammen. Hier entsteht daraus aber ein mehrheitlich sehr positiver, fröhlicher und weltoffener Patriotismus, der von klein auf erlebt wird.


Foto: Visit Estonia




Zuletzt aktualisiert: 18.01.2021

Thema: Geschichte & Kultur