Die Küche Nord-Estlands

Quelle: Visit Estonia

Die Küche Nord-Estlands

Nordestland ist Estlands kulinarische Region des Jahres 2021. Ziel der alljährlichen Verleihung dieses Titels an unterschiedliche estnische Regionen ist es, die jeweils typische regionale Küche mit ihren Traditionen bekannt zu machen. Regionale Lebensmittelproduzenten, Restaurants und Cafés im Norden des Landes laden daher ein, die attraktive Esskultur Nordestlands zu entdecken.



Kartoffeln

Einer Untersuchung im Jahr 1925 zufolge, hatten Nordestland und die Inseln damals den höchsten Anteil an Kartoffelanbauflächen im Land. Täglich wurden hier Kartoffeln in irgendeiner Form zu den Mahlzeiten gereicht, was im Vergleich zu anderen Teilen des Landes einzigartig war. In der Region Harjumaa in Nordestland beispielsweise war es in den 1930er Jahren nicht unüblich, bereits zum Frühstück Kartoffeln mit Fleischsoße zu essen. Die Bedeutung der Kartoffel in der estnischen Esskultur ist nach wie vor groß, und der ausgedehnte Kartoffelanbau ist für die nationale Küche von großer Bedeutung.

Ein vielfältiger Begleiter

Es gibt nicht nur verschiedenste Kartoffelsorten, auch die unterschiedliche Zubereitungsart – Kochen, Braten, Frittieren etc. – sorgt für Abwechslung auf dem Speiseplan.

Foto: Iris Kivisalu, Visit Estonia



Hering

Eine wichtige Lebensgrundlage für die an den Küsten des Landes lebenden Bewohner Estlands ist seit jeher Fisch. Insbesondere der Hering wird an der Nordküste schon immer gefangen und spielt deshalb in der Küche Nordestlands bis heute eine herausragende Rolle. Er ist in diversesten Zubereitungsarten ein sehr beliebtes Gericht – sowohl im heimischen Esszimmer als auch in Restaurants. Und auch als Handelsware war der Hering für die estnischen Küstenbewohner lange eine entscheidende Einnahmequelle.

Die estnische Sprotte ist eine besondere Delikatesse. Sie wird leicht geräuchert, in Öl eingelegt und in Dosen verkauft.

Fisch-Happen

Das farbenfrohe Sprottensandwich von Anija Ülle Niinemets aus dem Café Mõisa Innamorata war Finalist beim Wettbewerb New Estonian Food.

Foto: Café Mõisa, Visit Estonia



Gerste

Wenn es um die Geschichte der estnischen Landwirtschaft geht, liegt das Hauptaugenmerk auf der Getreideproduktion. Gerste ist eine der ältesten und wichtigsten Getreidearten im Land. Das kühlere Klima im Norden Estlands hat dazu geführt, dass Gerste hier in größerem Umfang angebaut wird als im Rest des Landes. Aus Gerstenmehl lässt sich ein köstlicher und nahrhafter Brei zubereiten, der lange Zeit als rituelle Speise galt, und es ist ideal zum Backen von Brot und Keksen. Gerstenkuchen mit Kefir oder Sauermilch - Karask - ist eines der estnischen Nationalgerichte.

Getreide wird in Estland seit Äonen angebaut

Im Norden des Landes ist Gerste vorherrschend.

Foto: Visit Estonia



Wodka

Die Wodka-Destillation begann in Estland gegen Ende des 15. Jahrhunderts. In der Zarenzeit wurde der größte Teil des in Estland produzierten Alkohols nach St. Petersburg verkauft. Dank der Nähe zur Hauptstadt des Russischen Reiches wurde die Region Virumaa nach und nach zum wichtigsten Wodkaproduzenten.

Die Brennereien befanden sich meist auf Gutshöfen und bescherten den Eignern einen langdauernden und warmen Geldregen. Man kann sagen, dass der Grundstein für den Wohlstand der Gutsherren durch die Brennereien gelegt wurde.

Nach wie vor wird Wodka gern getrunken. Er findet mittlerweile aber auch in der estnischen Küche Verwendung: beim Verfeinern von Suppen und Soßen und beim Flambieren.

Wodka geht immer

Eisgekühlt ist er ein hervorragender Begleiter zu Aufschnitt und Snacks.

Foto: Aron Urb, Visit Estonia

In den Herrenhäusern Palmse und Sagadi finden heute Workshops zur Alkohol-Destillation und Wodkaherstellung statt. Im nord-estnischen Tulivee kann man das Alkohol-Schmuggel-Museum besuchen, das die Geschichte dieser umfangreichen Betätigung erzählt, der sich über die gesamten 1920er und 1930er Jahre hinzog.


Sommerküchen und Gewächshäuser

Das Gewächshaus des Gutshofes Palmse

Hier werden seit jeher, vom Wetter geschützt, ganzjährig Kräuter und auch Gemüse angebaut.

Foto: Gutshof Palmse, Visit Estonia

Über Jahrhunderte nutzten die Menschen in Estland im Sommer Außenküchen, eine Praxis, die erst im 20. Jahrhundert auszusterben begann. Am längsten überlebten die Sommerküchen in den nördlichen Landkreisen Läänemaa und Harjumaa. Hier waren die Sommerküchen noch bis in die 1930er Jahre hinein in Gebrauch.

Im 19. Jahrhundert, als die Bedeutung des Gartenbaus zunahm, wurden auf den Landgütern Gewächshäuser errichtet, um auch im Winterhalbjahr frische Kräuter und manches Gemüse anbauen zu können. Das war aber nicht ihr einziger Zweck. In den Gewächshäusern überwinterten auch exotische Pflanzen und Sie dienten als Wintergarten.


Gastronomie

In folgenden besonders ausgezeichneten Cafés und Restaurants können Sie die authentische nordestnische Küche genießen:


Guten Appetit!


Zuletzt aktualisiert: 15.08.2021

Thema: Nordestland, Essen, Trinken & Nachtleben