Frühlingsleckereien direkt aus der Natur

Quelle: Anneli Tandorf, Visit Estonia

Frühlingsleckereien direkt aus der Natur

Mutter Natur spendet den Esten – wie uns allen – seit jeher Nahrhaftes. Die Besonderheit in Estland, wie in vielen nordischen Ländern, liegt vielleicht darin, dass sich alte Traditionen erhalten haben oder heute enthusiastisch neu entdeckt werden. Der Frühling bringt eine Fülle essbaren, vitamin- und nährstoffreichen Grüns hervor. Und die Esten nutzen es mit Begeisterung in der Küche.


Fichtentriebe

sind voller Vitamine. Fichtennadeln wurden von Seeleuten und Ureinwohnern der nördlichen Hemisphäre auf vielfältige Weise zur Eindämmung des Vitaminmangels eingesetzt. Junge Fichtentriebe enthalten Öle, Harze, Carotinoide, Tannine und viel Vitamin C sowie Mineralien wie Kalium und Magnesium. Die Triebe sind aufgrund ihres hohen Vitamin C-Gehalts leicht säuerlich Beim Kochen verleihen sie dem Essen einen exotischen und starken rosmarinartigen Geschmack. Fichtentriebe werden auch fermentierten Getränken wie Bier zugesetzt, um ihbnen eine besonders frische Note zu geben.

Junge Triebe sollten sofort Ende Mai gepflückt und verzehrt werden, wenn sie 2-4 cm lang, am weichsten und schmackhaftesten sind. Brechen Sie vorsichtig nur den Trieb vom Baum, ohne den Rest des Baumes zu beschädigen. Pflücken Sie Triebe von verschiedenen Seiten desselben Baumes, um die Entwicklung eines einzelnen Baumes nicht zu beeinträchtigen. Fichtentriebe können auch für die Wintersaison durch Einfrieren oder Trocknen gelagert werden. Spülen Sie die Triebe vor dem Einfrieren mit warmem Wasser ab und lassen Sie sie abtropfen. Später können Sie sie in Smoothies, Salaten oder als farbenfrohe Ergänzung zu Gerichten verwenden.


Frisch und lecker: Grünes aus der Natur

Foto: Danel Rinaldo, Visit Estonia


Löwenzahn

ist seit der Antike eine geschätzte Medizin. In der Volksheilkunde wird Löwenzahn verwendet, um den Körper zu entgiften und mit Energie zu versorgen. Die Pflanze reinigt das Blut, senkt den Cholesterinspiegel, wirkt Anämie entgegen und verringert das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle durch Verdünnung des Blutes.

Sie können einen Salat aus seinen Blüten und Blättern machen. Löwenzahnblütenknospen können wie Gurken eingelegt werden. Die Wurzeln werden wie Kaffee geröstet, um ihren bitteren Geschmack zu reduzieren. Die Blätter des Löwenzahns werden zu Beginn der Blütezeit der Pflanze Mitte Mai zur Konservierung gesammelt. Sie werden in einer dünnen Schicht auf Papier oder Stoff gelegt, um sie in einem Raum mit gutem Luftzug und ohne direkte Sonneneinstrahlung zu trocknen.

Rhabarber

ist voll von Vitamin K, Kalzium und Kalium, in Maßen Phosphor, Eisen, B-Vitaminen, Vitamin C und Carotin, Äpfelsäure, Zitronen- und Oxalsäure und Flavonoidverbindungen. Rhabarber enthält trotz seines starken Geschmacks bis zu 93 Prozent Wasser und ist zudem ballaststoffreich. Junge Triebe schmecken am besten und Rhabarber wird gerne für Kuchen, Marmeladen und Saft verwendet. Rhabarber ist auch in Salaten eine interessante Zutat und kann gut für Marinaden verwendet werden, weil er das Fleisch weich und saftig macht. Erdbeer-Rhabarber-Sekt und trockene Rhabarberweine erlebten in den vergangenen Jahren starke Nachfrage.

Waldsauerampfer

ist eine Pflanze, die die meisten Menschen kennen. Der Ampfer enthält eine beträchtliche Menge Oxalsäure. Kleine Kinder sollten deshalb davon nicht allzu viel essen (die aufgenommene Menge pro kg Körpergewicht entscheidet über die Schädlichkeit). Waldsauerampfer kann in Misch- und Obstsalaten, kalten Suppen und Saucen verwendet werden. Die hübschen Blätter und Blüten werden auch zum Dekorieren von Gerichten genutzt, vom einfachen Sandwich bis hin zum ausgewachsenen Schokoladenkuchen. Beim Erhitzen verliert der Sauerampfer sein charakteristisches Aussehen und die Vitamine; allerdings wird dann auch die schädlichen Wirkung der Oxalsäure verringert.

Gewöhnlicher Sauerampfer

ist ein frischer und knuspriger Grundnahrungsmittel für den Frühling, voller Vitamin C, das schnell Stress abbaut und die Verdauung fördert. Bitterstoffe verleihen der Pflanze einen sauren, leicht bitteren Geschmack. Der Sauerampfer kommt in Estland häufig vor. Er wächst auf Wiesen – auch auf Küsten- und Auwiesen –, an Straßenrändern, in Büschen, Gräben, Flüssen und am Seeufer; also quasi überall. Die Blätter werden üblicherweise gehackt und in Suppen und Salaten verwendet, sowohl roh als auch gekocht. In der Homöopathie wird Sauerampfer zur Behandlung von Erkältungen und Magen-Darm-Erkrankungen eingesetzt.


In Estlands Wäldern findet man reiche Ausbeute

Foto: Mart Vares, Visit Estonia


Frischer Bärlauch

ist bereits Ende April zu finden. Wie Knoblauch wirkt auch Bärlauch antibakteriell und verdauungsanregend. Wussten Sie, dass Bärlauch 15 bis 20 Mal mehr Vitamin C enthält als Zitronen? Bärlauch eignet sich hervorragend für Salate, Suppen, Kräuterbutter und Pesto! Zu beachten ist allerdings, dass Bärlauch in Estland unter Naturschutz steht und daher besser auf dem Markt, in Supermärkten oder aus privaten Gärten bezogen werden sollte.

Brennnesseln

sind die ersten Energiequellen, die uns der Frühling bietet. In der traditionellen estnischen Naturheilkunde wurden alle Teile einer Brennnessel verwendet. Heutzutage nutzt man hauptsächlich die Blätter zur Herstellung von Brennnesseltee, Suppe oder Salat. Brennnesseln helfen gegen Müdigkeit, beleben, liefern viel Vitamin C, Kalzium, Eisen, Kalium. Sie reduzieren Entzündungen und verbessern die Blutzusammensetzung. In alten Zeiten glaubten die Esten, dass die Brennnessel ein Hexenkraut ist, weshalb sie oft in Zaubersprüchen vorkam und in Ritualen Verwendung fand. Die Pflanze wurde ins Feuer geworfen, um die Häuser vor Blitzen zu schützen, und dem Waschwasser zugesetzt, um Flüche unwirksam zu machen. Es wurde angenommen, dass Brennnesseln vor bösen Geistern schützen.

Giersch

kann für Gärtner ein echtes Ärgernis sein, aber auf dem Esstisch macht er sich großartig. Der Giersch kann für Suppen, Pesto und Salate genutzt werden. In Zeiten der Hungersnot wandten sich die Esten diesem „Unkraut" zu, um damit die Mahlzeiten zu strecken. In Südestland wurde er vor allem in Brotteigen verwendet. In der Naturmedizin eignet sich Giersch auch für entzündungshemmende Umschläge. Heutzutage verwenden Fans gesunder Ernährung das „Bischofs-Unkraut", wie es auch genannt wird, für eine Vielzahl von Gerichten. Es gibt sogar Giersch-Marmelade!

Schlüsselblumen

blühen im Mai und Juni. Die schöne Frühlingsblume hat im Estnischen über 200 Namen. Es wird nur ein Blatt der Schlüsselblumen benötigt, um den Vitamin C-Tagesbedarf eines Erwachsenen zu decken. In der Naturheilkunde dient die Schlüsselblume zur Entschlackung; man glaubt, dass sie den Körper reinigt und bei der Zellerneuerung hilft. Außerdem wirkt sie beruhigend und kann Angstzustände und Schlaflosigkeit reduzieren, Kopfschmerzen und Migräne lindern. Schlüsselblumenblätter eignen sich hervorragend für die Zubereitung von Tee, die Blüten machen sich vor allem in Salaten sehr hübsch.


Die Frühlingsnatur hat viele Geschmacksnoten

Foto: Danel Rinaldo, Visit Estonia


Erfahren Sie mehr über in Estland wachsende Kräuter in den Werkstätten der "Energiefarm" (Energia talu) oder nehmen Sie an einem Gartenbauworkshop des Klaara-Manni-Öko-Gartens (Klaara-Manni Maheaed) teil. Gehen Sie mit den Fischern am Peipussee angeln und lernen Sie, wie man den Seefisch auf traditionelle Art zubereitet.




Zuletzt aktualisiert: 05.05.2020

Thema: Gesundheit & Wohlbefinden, Natur & Tierwelt, Essen, Trinken & Nachtleben