Heilende Quellen und bezaubernde Brunnen

Quelle: Danel Rinaldo

Heilende Quellen und bezaubernde Brunnen

Estland ist wasserreich. Es gibt nicht nur viele Seen, sondern auch etliche Flüsse und Bäche. Ihre Quellen sind oft Orte, die über eine magische Anziehungskraft und ein ganz besonderes Flair verfügen. Um sie ranken sich Mythen und Legenden. Und gar nicht so selten besitzt das aus ihnen sprudelnde Wasser sogar wissenschaftlich bestätigte Heilwirkung.


Im Land gibt es Tausende Quellen, deren größere in einer Sekunde erhebliche Mengen Grundwasser ans Tageslicht befördern. Wasser, das in den Tiefen der Erdkruste gereinigt wurde. Auch heute noch ist es in Estland üblich, das Trinkwasser für den Hausgebrauch aus solchen natürlichen Quellen abzufüllen. Je nach Beschaffenheit variiert der mineralische Geschmack.


Die Quelle von Katku

Foto: Kairo Kiitsak, Visit Estonia


Farbenfrohe Quellseen

Je nach Beschaffenheit des Gesteins und der Umgebung, haben die Quellsehen in Estland unterschiedliche Farben – manche sehr intensive.

Die Quellen in Nordestland sind besonders reizvoll: klares, blaues Wasser, das mit vom Kalksteinboden weiß gefärbten Steinen durchsetzt ist. Die Quellen in Südestland hingegen haben einen hohen Eisengehalt und können eine starke Färbung und einen entsprechend deutlichen mineralischen Geschmack aufweisen.

Die Opferquellen von Saula Siniallikad weisen alle Farbtöne von blau über türkis bis grün auf und sind ein ganz besonderer Ort, den man schon alleine aufgrund seiner relativen Nähe zu Tallinn unbedingt besuchen sollte.

Die Opferquellen - hier in krassem Türkis

Ein ganz bezaubernder Ort – und unweit von Tallinn gelegen.

Foto: Martin Suuroja, Wikimedia commons

Rund um das Hochland von Pandivere gruppieren sich einige Quellen im Zentrum und im Nordosten Estlands. Die bekanntesten von ihnen befüllen die Äntu-Seen. Der acht Meter tiefe Sini-See beispielsweise hat einen hellen, klaren, grünlich-blauen Farbton, der gut in die ruhige Waldumgebung passt.

Das Herrenhaus von Norra in Mittelestland ist von großen Quellseen umgeben. Die Sopa-Quelle, die zum Gebiet die zu diesen Quellen gehört, ist mit einer Tiefe von 4,8 Metern die tiefste Quelle Estlands und birgt jahrzehnte- und sogar jahrhundertealte Baumstämme, die sich im kalkhaltigen Wasser gut erhalten haben. Einen Kilometer entfernt befindet sich ein weiterer kristallklarer Quellsee, der Oostriku-Quellsee, der mit großen Felsen gespickt ist.


Heilendes Wasser

Einige der Quellen sind für die heilende Wirkung ihres Wassers bekannt ­ und die Heilwasserqualität wird auch immer wieder wissenschaftlich bestätigt. Solche Heilwasser-Quellen gibt es beispielsweise in Häädemeeste im Kreis Pärnu und in der Nähe von Kuressaare auf der Insel Saaremaa. Eine alte estnische Weisheit empfiehlt, das Silber einer Münze abzukratzen, in Quellwasser zu geben und dann mit der Mischung die Augen auszuspülen.


Der Hexenbrunnen von Tuhala

Da kochen sie, die Hexen!

Foto: Ivar Leidus, Wikimedia commons

Der Brunnen in Tuhala ist sicherlich der bekannteste Brunnen Estlands. Er ist dafür bekannt, dass er von Zeit zu Zeit überzukochen scheint, was die Legende einem ausufernden Streit unter den Hexen zuschreibt, die angeblich auf seinem Grund leben. Tatsächlich handelt es sich um ein natürliches Phänomen, das meist während der so genannten Fünften Jahreszeit auftritt, im Übergang von Winter zu Frühling im Zuge der Schneeschmelze. Dann fließt hier unterirdisch so schnell so viel Wasser, dass es im Brunnen mit Getöse an die Oberfläche drängt. Das bezaubernde Spektakel lockt alljährlich tausende Menschen an. In der Karstregion rund um Tuhala gibt es einen lohnenden Wanderweg.


Quell-Sagen

Quellen hatten in Estland immer einen besonderen Stellenwert. Sie spenden das lebensnotwendige Wasser und mögen bitte nie versiegen! Viele der noch heute besuchbaren Quellen spielten bereits vor Jahrhunderten eine Rolle in der estnischen Volksmythologie – und im Alltag der Esten, die sehr eng verbunden mit der Natur lebten. Hier, an den Quellen, wurden Opfer dargebracht, um die Natur freundlich zu stimmen; es wurde innegehalten, gedankt und gebetet.

Und mancher Quelle wurden gar ganz enorme Fähigkeiten zugesprochen. Von der Laiuse-Quelle wurde angenommen, dass sie einen direkten Einfluss auf das Wetter habe. Wenn in der Region Trockenheit herrschte, dauerte es nicht lange, bis sich etliche Esten bereit fanden die Quelle sorgsam zu reinigen, um den Wasserkreislauf anzuregen. Gab es hingegen zu viel Regen, wurde die Quelle abgedeckt, um den Kreislauf zu verlangsamen.


Weitere interessante Quellen und Karstgebiete

Das Taevaskoda

Hier muss man hin, wenn man gern wandert! Es gibt einen großartigen Wanderweg durch diese Kartregion.

Foto: Koit Kõrvel, Visit Estonia

Nicht nur das so genannte "Große und kleine Taevaskoda" sollten Sie als Liebhaber von schönen Wanderwegen, schmalen Schluchten und Wasserläufen besuchen. Estland hat einige spannende Karstgebiete mit entsprechenden Wasserläufen, die zu erkunden sich lohnen. Und natürlich noch deutlich mehr Quellen als die oben genannten. Hier sind weitere lohnende Ziele für einen Ausflug:

Und auch im Nonnenkloster von Kuremäe gibt es einen Quelle, deren Wasser schon seit Urzeiten von Menschen aus der Region zum Hausgebrauch abgefüllt wird.


Tauchen Sie ein in die estnische Mythologie – und natürlich in die wunderschöne wassernahe Natur des Landes: Besuchen Sie die magischen Quellen Estlands!